Gefangen im Mückenparadies – zurück in Grenada

Vorgestern war es endlich soweit, nach 2 Wochen gröbster Schufterei durfte die She San wieder in den Travellift mit dem Ziel zurück ins Wasser. Es war der einzige Slot vor Montag Nachmittag, das hätte bedeutet nochmal 4 Tage an Land. An Land, das heisst, unendlich viele Moskitos, den ganzen Tag Lärm, viel Staub, ab und zu schlechter Geruch von entweder den Mangroven oder der Rumfabrik (zumindest schon mal nicht Abwasser) und eben jeden Tag Schuften.

Vor allem die Moskitos sind mega nervig und sie plagen einen mittlerweile nicht nur abends und nachts, nö, der Spass geht rund um die Uhr…In den letzten paar Tagen haben wir jeweils von morgens Sunrise um 5.30 am bis nach Sunset um 7 pm am Schiff gearbeitet. Beim Anschliessenden “Sundowner”- Bier sind wir lieber in die Küche gestanden, da draussen zu viele Moskitos…

Aber lasst mich mal von vorne anfangen zu erzählen….

Der letzte Plan war ja ursprünglich am 19. Mai das Schiff aus dem Wasser nehmen, kurz ein paar Stellen am Rumpf ausbessern und dann anstreichen und nach 5 Tagen wieder rein in Wasser, noch kurz Grenada und den Freunden hier Tschüss sagen und dann weiter…

Ja genau, denkste…

Denn der Plan vorher war ja eigentlich das ganze schon 8 Tage vorher zu machen, nur leider konnte mein liebster Skipper zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal richtig gehen, geschweige denn etwas am Schiff arbeiten.

Losgegangen war es ja schon in Martinique 3 Wochen vorher, nachdem wir an dem Morgen (zur Abwechslung mal beide Morgengymnatisk- Training gemacht hatten. An dem Abend hatten wir dann noch coole Live Musik aufs Schiff gehört, sind dann losgetigert, und dort angekommen, musste Reto dann als erstes absitzen, stehen oder laufen war nicht mehr gut. Nach 2 Bier und 1 halben Tanz sind wir wieder Richtung Dingy gewackelt, schon unter ziemlichen Schmerzen…

Die nächsten 3 Wochen waren dann ziemlich die Hölle für Reto, oft haben die Schmerztabletten nicht gewirkt, und er war einfach nur am leiden. Die Ferndiagnose lautete Bandscheibenvorfall oder ähnlich.

während dem Nachtschlag von Martinique nach Grenada gibt es zum ersten Mal ein paniertes Schnitzel, flachgeklopft mit unserem rostigen Hammer
während dem Nachtschlag von Martinique nach Grenada gibt es zum ersten Mal ein paniertes Schnitzel, flachgeklopft mit unserem rostigen Hammer
wir fangen unseren ersten Barrakuda, ein garstiges Viecherl mit vielen Schuppen, den Angelhacken kriegen wir fast nicht mehr raus aus dem Gebiss...
wir fangen unseren ersten Barrakuda, ein garstiges Viecherl mit vielen Schuppen, den Angelhacken kriegen wir fast nicht mehr raus aus dem Gebiss…

Zwischendrin sind wir trotzdem den Nachtschlag von Martinique nach Grenada gesegelt, und dann war es halt komplett diesmal komplett mein Job, die Segel zu bewegen…Dann kommt die Frage “möchtest Du gerne ausreffen – mit dem Risiko etwas später (am Ende der Abdeckung der Insel) wieder einzureffen natürlich ganz anders an, denn machen musste diesmal alles ich. Gut, dank insgesamt relativ wenig Wind eine gute Gelegenheit mich in den Teil der Segelarbeit einzuarbeiten und ich hatte sogar noch die Zeit und Energie mein erstes paniertes Schnitzel zu machen.

Reto bei der Physiotherapie, hilft auch ein wenig..
Reto bei der Physiotherapie, hilft aber nur ein wenig..

Dank vielen guten Tips und Unterstützung von allen Seiten ist Reto nach 3 Wochen fast Bewegungslosigkeit immerhin am Tag vor dem verschobenen Haul out Termin schon mal wieder ganz locker die paar Schritte vom Taxi zum Dinghysteg gelaufen. An dieser Stelle vielen Dank an Reto’s Schwester Brigitta für die Massage-, Ernährungs- und Endzündungsbekämpfungstips, unseren Homöopath Roger Bertoli mit den richtigen Globuli, und am Ende der Osteopathin Sonia Rogers, die Reto in 2 Sessions mit “is it ok if I adjust your neck – cracks – und starken Händen “take a deep breath in…” wenn er angefangen hat zu schreien, wieder ausgerichtet hat.

bei Robert gibt es organisch angebautes Obst und Gemüse, natürlich möchte ich ein Foto von seinem Bart ;-)
bei Robert gibt es organisch angebautes Obst und Gemüse, natürlich möchte ich ein Foto von seinem Bart 😉
der Sonntagsgottesdienst bei der christlichen Studentenvereinigung, hier sind die Kinder dran zu singen
der Sonntagsgottesdienst bei der christlichen Studentenvereinigung, hier sind die Kinder dran zu singen

Ausser Einkaufen und sonst alles erledigen durfte ich in der Zwischenzeit das soziale Programm der Seglergemeinschaft in Grenada auskosten. So war ich beim Yoga, beim Wandern, beim Hash und in der Studentenkirche.

Ich nehme an einem Hash teil, hier das Briefing
Ich nehme an einem Hash teil, hier das Briefing
dann geht es los über Stock und Stein quer durch die Pampa und bald über den ersten Fluss, dann auf grauenvollem Matsch einen Hügel rauf und wieder runter - ich bin die einzige mit Bergschuhen und Stöcken und megafroh - es gibt auch Verletzte..
dann geht es los über Stock und Stein quer durch die Pampa und bald über den ersten Fluss, dann auf grauenvollem Matsch einen Hügel rauf und wieder runter – ich bin die einzige mit Bergschuhen und Stöcken und megafroh – es gibt auch Verletzte..
eine frische Muskatnuss
eine frische Muskatnuss
und zurück über den Fluss - ich gebe vorsichtshalber meinen Rucksack am Stecken rüber bevor ich das Wackelbrückli betrete
und zurück über den Fluss – ich gebe vorsichtshalber meinen Rucksack am Stecken rüber bevor ich das Wackelbrückli betrete

Der Hash ist so eine Art Schnitzellauf mitten durch die Pampa und da es diesmal den ganzen Tag vorher geregnet hat, war alles super matschig, Hügel rauf und wieder runter – ich war die einzige mit Bergschuhen und Stöcken und megafroh, denn diesmal gab es auch Verletzte…

Gemeinsam waren wir diverse Male in der bei Seglern sehr beliebten Bar mit Dingydock in der Prickly Bay und verbringen viele schöne Abende mit den Crews der Matilda, Remy von der Alubis und Helga und Hans von der Hush puppy.

das ist die Gospelkirche von unserem Krankentaxifahrer Joseph, ein einmaliges Erlebnis!
das ist die Gospelkirche von unserem Krankentaxifahrer Joseph, ein einmaliges Erlebnis!

Am zweiten Sonntag wurden wir abgeholt zum Besuch der Gospelkirche, in der unser Krankentransport- Taxifahrer Joseph als Nebenjob Reverend ist. Das war eine Schau! in der ersten Stunde war Bibelstunde, da hörten wir eine Stunde wiederholt, dass Angst vom Teufel kommt. Dann war eine Stunde lang Gospelsingen, und trotz nur etwa 12 Personen war der Gesang ganz schön lebendig. Zum Abschluss war dann noch ca. 1 Stunde lang der “Service”, der Gottesdienst, mit lauter und eindringlicher Predigt von Reverend Joseph. Irgendwann hat Reto dann auch herausgefunden, dass nicht die ganze Zeit Hey Man, sondern Amen gerufen wird. Es war beeindruckend, aber nach 3 Stunden waren wir ganz schön erledigt…Hallelujah!

Reto hat mir zum ersten Mal die Haare geschnitten, dank seinem super Training bei Sandra, meiner Coiffeuse in Chur, bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis
Reto hat mir zum ersten Mal die Haare geschnitten, dank seinem super Training bei Sandra, meiner Coiffeuse in Chur, bin ich sehr zufrieden mit dem Ergebnis

Ach ja, mein erster Haarschnitt durch Reto ist auch noch erwähnenswert 😉

im Travellift, die Jungs im Clarks Court machen einen super professionellen Job!
im Travellift, die Jungs im Clarks Court machen einen super professionellen Job!

Soweit so gut also, in der Zwischenzeit sind wir nun schon 14 Tage auf dem Clarks Court Boatyard und sind schon mal sehr dankbar, dass sich Reto bewegen und auch fast alles arbeiten kann. Der Platz am Boatyard ist eigentlich ein ganz schöner, der Blick ist cool, Wasser ist da, Strom auch manchmal, die Leute sind super nett und sehr sehr professionell, leider aber gibt es eben auch verdammt viele Mosquitos, Lärm, ect..

Wir starten das Antifouling runterzunehmen, was für eine unendliche Scheissarbeit!!!
Wir starten das Antifouling runterzunehmen, was für eine unendliche Scheissarbeit!!!
daher holen wir Hilfe von Dewin und John, man beachte die Riesensauerei am Boden
daher holen wir Hilfe von Dewin und John, man beachte die Riesensauerei am Boden
dann werden all die Bläschen aufgeflext, bei jeder kommt die leicht säuerliche Osmoseflüssigkeit raus...
dann werden all die Bläschen aufgeflext, bei jeder kommt die leicht säuerliche Osmoseflüssigkeit raus…
Reto schön eingestaubt nach dem Flexen ;-)
Reto schön eingestaubt nach dem Flexen 😉
Ein Ruder fertig zum wieder auftragen
Ein Ruder fertig zum wieder auftragen

Nachdem wir die ersten zwei Tage lang die Hülle geschrubbt und von Rückständen gesäubert haben, fanden wir mehr und mehr Stellen, die uns nicht gefielen, sogenannte Osmoseblasen mit etwas säuerlicher Flüssigkeit drinnen. Also ganz weg mit den unzähligen Schichten Antifouling?

Wir haben es erst mit Kratzen versucht, dann mit Chemie, aber mit der schonenden Chemie haben wir nur für die zwei Kiele und die Ruder schon mehr wie drei Tage gebraucht… Dann haben wir uns Unterstützung durch Devon und John geholt, aber auch das war natürlich nicht ganz so einfach und reibungslos….

Nach gut 10 Tagen waren wir dann soweit, der Wiederaufbau konnte starten.

Da ging es los das sogenannte Gelshield, eine Zweikomponenten-Epoxifarbe in 5 Lagen aufzubringen. Natürlich musste das ganze trocken sein, dass heisst es durfte weder regnen, und kein Schiff neben uns aus dem Wasser geholt werden, denn dann kommen immer Wolken von Wasser und Antifoulingstaub auf die She San, wenn die Schiffe mit dem Hochdruckreiniger abgewaschen werden.

She San zur Abwechslung in grün - die erste Lage Gel Shield
She San zur Abwechslung in grün – die erste Lage Gel Shield

Wir testeten also die erste Schicht am Sonntag, da dann nicht gearbeitet wurde. An den nächsten  Tagen standen wir halt um 5 Uhr auf, so war alles bis zum ersten Schiff um 8 Uhr staubtrocken und es konnte nichts mehr passieren, und am nachmittag/abend dann nochmal eine Schicht, wenn alle  wieder zu Hause sind.

Vorher: Saildrive mit allem möglichen Meeresgetier
Vorher: Saildrive mit allem möglichen Meeresgetier
Fertig: geputzt, geschliffen, 5x geprimert und 5x Antifouling und eine neue Dichtung dazu :-)
Fertig: geputzt, geschliffen, 5x geprimert und 5x Antifouling und eine neue Dichtung dazu 🙂

In der Zeit dazwischen wurden die kleinen DInge erledigt, so wie Saildrive und Propeller putzen, Seeventile neu abdichten, ect…

Am Dienstag haben wir dann erfahren, dass es zum wieder ins Wasser gehen nur einen Travellift – Termin am Montag oder am Donnerstag nachmittag gibt. Donnerstag war zwar mega knapp, aber wir hatten beide schon so die Schnauze voll. Also erstellten wir einen Terminplan und sahen, dass es mit viel Glück klappen kann.

Viel Glück hatten wir dann auch mit dem Wetter, nur an einem Tag stürmte es am Nachmittag so sehr, dass alles nach hinten verzögert wurde.

das karibische Essen finden wir ganz lecker, nur die Namen von all den Wurzeln kann ich mir kaum merken
das karibische Essen finden wir ganz lecker, nur die Namen von all den Wurzeln kann ich mir kaum merken

An dem Tag sassen wir mittags zum Mittagessen unter dem Schiff, den dort ist man vor dem Regen gut geschützt und es ist kühler als drinnen im Salon. Zur Abwechslung nieselte es, und so kam dem Reto das Lied vom Fredl Fesl “Der Riesenneger im Nieselregen” in den Sinn und als kurz darauf ein richtig grosser Kerl am Schiff vorbeigeht sage ich “kuck, da ist er der Riesenneger” und wir mussten beide kräftig lachen. Am Abend haben wir uns dann nochmal das You-tube Video vom Fredel Fesel angesehen, herrlich, sehr empfehlenswert- hier der Link 😉 https://www.youtube.com/watch?v=tUQa0u3k8Pc

alles voller blauer Tapser, die nicht mehr weg gehen...
alles voller blauer Tapser, die nicht mehr weg gehen…

An dem letzten heiklen Tag kam dann noch dazu, dass unser Schiff zum zweiten Mal mit blauem Antifoulingstaub überzogen war und abgekärchert werden sollte, danach war natürlich erst recht alles nass. Der Staub war dummerweise gerade an dem Tag aufs Schiff geblasen worden, an dem wir es wegen Malen nicht abwaschen lassen konnten und der Zufall wollte es, dass wir Besuch von der Cocolo Crew hatten und die 2 Mädels bei uns an Deck Hide and Seek spielten. Nun lässt sich dieser Staub zwar mit Wasser und Putzen wegbringen, aber wenn man ihn trocken berührt, gibt es Flecken. So hatten wir als Resultat das ganze Schiff voll mit blauen Kinderfüsschen und Händchen, die sich – wie wir dann feststellen mussten – am nächsten Tag nicht mal mehr mit abkärchern wegbringen liessen Hallelujah.

Rasta for Beginners, Reto trägt endlich seine Mini-Rasta Kappe und Dwight und Richard finden es cool
Rasta for Beginners, Reto trägt endlich seine Mini-Rasta Kappe und Dwight und Richard finden es cool

Also kurz vor Sonnenuntergang noch mal schnell alles trockenwischen und im Halbfinsteren die 2. Lage Antifouling aufmalen und am nächsten Tag zusätzlich noch mit der Hilfe von Dwight und Richard das Deck mit Spezialreiniger putzten. Das brachte mir dann gerade noch die zweite Fast- Sehnenscheiden-Entzündung. Daher darf ich heute Blog schreiben und Reto muss alleine arbeiten.

Ja, was muss denn Reto nun schon wieder unbedingt machen. Tja, die nächste der “bösen Überraschungen” kam dann erst noch nachdem die She San gerade so vom Travellift aufgehoben wurde.

Schei..... der Kiel hängt hinten raus als She San im Travellift angehoben wird
Schei….. der Kiel hängt hinten raus als She San im Travellift angehoben wird
also ziehen ihn Nils und seine Crew ganz vorsichtig mit einem Betonblock herunter
also ziehen ihn Nils und seine Crew ganz vorsichtig mit einem Betonblock herunter
toll, viele Stellen haben kein Silikon oder irgendwelche Patzen, die nie die Gegenseite berührt haben
toll, viele Stellen haben kein Silikon oder irgendwelche Patzen, die nie die Gegenseite berührt haben

Als das Boot in der Luft schwebt und Reto die letzten Stellen mit Antifouling bestreicht, sehe ich mir gerade so den Kiel an, da fällt mein Blick auf die neu gemachte Silikonfuge. “Jessas, unsere neue Fuge ist abgerutscht” schreie ich entsetzt und denke dass das irgendwie an den Temperaturen liegen muss. Dann schauen wir genauer hin und sehen, dass tatsächlich der Kiel um 1 bis 2 cm abgefallen ist. So eine Megasch….

Ich bin am Boden zerstört, zu viel Arbeit, zu wenig Schlaf, und dann das alles noch an meinem Geburtstag.…

Wir holen Nils, den Boartyard Manager, der noch Nicolas, den Experten hinzu holt. Nicolas erklärt uns, dass das gelegentlich vorkommt und wie man es repariert und frägt, ob wir denn weit segeln möchten. “Was, in den Pazifik möchtet ihr, nein, das geht damit nicht…” Die zwei beraten sich kurz und haben schnell einen Plan: der Kiel wird mit einem Betonblock beschwert und unsere She San-li ganz vorsichtig angehoben, so bleiben wir über nacht stehen und er löst sich nach und nach. Am morgen dann ist es aber noch eine rechte Geduldsfrage bis das Ding sich auch am vorderen Ende lösen mag, dann höchst geduldigem und höchst professionellen Vorgehen von Nils.

Daher ist Reto jetzt am Silikon entfernen und dann werden wir weiter sehen. Das Schöne ist, dass alle rundherum ganz rührend und super hilfsbereit sind und mittlerweile ist es uns egal, bis Montag zu bleiben, Hauptsache alles wird wieder gut ;-).

Ja Montag, guter Witz, wir stellen am Freitag fest, dass das benötigte Silikon auf Grenada nicht verfügbar ist und wir uns den Job diesmal selbst nicht zutrauen, also müssen wir erst mal Hilfe organisieren…….

Ausflug nach Woburn zum Rumshop Nemrods, schön mal rauszukommen aus dem Boaryard
Ausflug nach Woburn zum Rumshop Nemrods, schön mal rauszukommen aus dem Boaryard

Also versuchen wir das beste daraus zu machen und geniessen wenigstens auch ein bischen die Zeit hier.

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