Archiv der Kategorie: Kapverden

Wir erleben Cabo Verde – die Kapverden

Nach den 2 Tagen Starkwind wurde es dann tatsächlich ruhiger und wir getrauten uns auch mal für etwas länger von Bord zu gehen.

das Fontaneiro - das Wasserhaus in Palmeira - seit gut 10 Jahren hat Sal eine Entsalzungsanlage und so gibt es Wasser für alle
das Fontaneiro – das Wasserhaus in Palmeira – seit gut 10 Jahren hat Sal eine Entsalzungsanlage und so gibt es Wasser für alle
an der kleinen Hafenmole kommen täglich die Fischer mit ihren Booten zurück vom Fischfang..
an der kleinen Hafenmole kommen täglich die Fischer mit ihren Booten zurück vom Fischfang..
dann folgt ein Menschenauflauf mit viel Geschrei...
dann folgt ein Menschenauflauf mit viel Geschrei…
und die Fische wechseln ihre Besitzer
und die Fische wechseln ihre Besitzer
Cachupa - das Nationalgericht der Kapverden besteht hauptsächlich aus Mais und ein paar Bohnen und kommt oft mit einem Ei drüber
Cachupa – das Nationalgericht der Kapverden besteht hauptsächlich aus Mais und ein paar Bohnen und kommt oft mit einem Ei drüber, um 1.5 Euro eine nahrhafte Mahlzeit

So erstanden wir nach 3 Tagen endlich im Nachbarort Espargo die lokale kapverdische Währung (Escudos) und eine SIM Karte, um endlich wieder “verbunden” zu sein. Beim Besuch der Bank wollte ich eigentlich den Gegenwert von 300 Euro abheben, als ich aber dann in der Kneipe 550 Escudo für 3 Biere zahlte, sah ich, dass ein sechstel der Kohle schon wieder weg war… Mist, ich hatte mich also um eine 10er Potenz vertan und nur 30 Euro abgehoben. Also später dann nochmal Geld holen, denn mit nur 30 Euro kommt man auf den Kapverden auch nicht weit.

In Palmeira und Espargo gibt es zwar nicht sonderlich viele Läden, dazu müssten wir schon in den Süden nach Santa Maria, denn dort sind die ganzen Touristen untergebracht. Das sparen wir uns aber gerne und bleiben lieber in den beiden beschaulichen Dörfern- ok, Espargo ist vielleicht schon eine Kleinstadt, denn es hat immerhin mehrere Banken und einen höchst professionellen CV Movil (Cabo Verde Telecom) Laden.

Da der Tanzsonntag in Palmeira so schön war und wir uns in der Dorfgesellschaft ziemlich gut aufgehoben fühlten, beschlossen wir bis nach Sylvester auf Sal zu bleiben. Am Sylvesternachmittag haben uns dann Claude und Arlette, unsere französischen Nachbarn eingeladen später am Abend zu ihnen zu kommen und einfach unsere Abendessen zu teilen. Das einfache teilen sah dann so aus, dass ich die Falafel gemacht habe, die ich schon ein paar Tage vorher geplant hatte, als dann die 2 Goldmakrelen dazwischen kamen.

Und was hat Arlette gemacht? Nun zum Apero gab es leicht scharfen Thunfischdip mit Crackern, dann Tarte à l’Oignon, danach spanische Tomaten-Bruschetta, dann Foie Gras mit frischem Brot, dann noch Hühnchencurry und zur guter letzt noch einen Apfelkuchen….. natürlich kredenzten die beiden dann auch noch demensprechend die passenden Getränke dazu, vom Aperitiv, Weisswein bis zum Rosé der aus Arlette’s Heimatort stammte, trotzdem haben wir uns zu diesem Jahreswechsel eher überfressen…

Das beste aber war, dass Reto auf einmal Französisch spricht wie ein Buch, er war selbst genau so überrascht wir ich, was da vom dem Schulfranzösisch vor 35 Jahren noch hängengeblieben ist. Um Mitternacht war dann kurz etwas los im Dorf, als wir dann aber nochmal das Dorf besuchten, waren wieder alle in ihre Familienfeste verschwunden und die Lokale waren geschlossen.

Als Gegeneinladung dachte ich, zum Abendessen brauch ich unsere neuen französischen Freunde besser nicht einladen, also fiel mir dann spontan nur ein, dass ich noch ein paar Weisswürste eingefroren hab, die ja besser mal gegessen werden und so stand die Einladung fürs Weisswurstfrühstück am 1. Januar.

Angela beim Laugen-Brezen backen
Angela beim Laugen-Brezen backen

Ich also früh morgens raus, das Rezept für die Brezen gesucht und was sehe ich- da brauche ich ja auch schon Butter für den Teig – und gerade ist am Vortag die Butter ausgegangen. Da wir eh noch in Palmeira ausklarieren wollten, fahren wir also rüber in den Ort. (Anmerkung Reto: Hier wäre noch zu erwähnen, dass meine Liebste schon um 07:30 in der Küche gestanden hat und um 08:30 ganz nervös “Schatziiii ich brauche Butter!!” gerufen hat)  Hier ist aber nichts los bis auf ein paar, die noch am Feiern waren, alles ist geschlossen. Natürlich auch die Polizei, die uns am Vortag versichert hatten, dass sie 24 Stunden da seien und wir jederzeit ausklarieren könnten…

Bei einer Kneipe bekam ich etwas Margarine geschenkt, zusammen mit etwas Butter von unserem Schweizer Kollegen Heinz sollte das dann reichen, um die ersten Boot- Brezen zu fabrizieren. Und auch das mit dem Ausklarieren sollte dann etwas später noch klappen, wir haben dann einen Polizisten getroffen, der hat seinen Kollegen angerufen, der dann keine 5 min später mit kurzer Hose und Fahrrad auftauchte und uns sehr nett unsere Papiere für die Weiterreise ausstellte. Während ich auf die Suche nach Wechselgeld ging, erfuhr Reto von ihm, von welchen Fussballklubs er Fan ist und dass selbst schon Basel einmal hier auf Sal Fussball gespielt hat.

Abschied von D'Jai
Abschied von D’Jai
Anfahrt auf die einsame unbewohnte Insel Santa Lucia
Anfahrt auf die einsame unbewohnte Insel Santa Lucia
kilometerlanger Sandstrand - menschenleer
kilometerlanger Sandstrand – menschenleer
Reto beim Reinigen vom Unterwasserschiff - das erste Mal seit Griechenland, dementsprechend viel Muscheln und Algen haben sich angesiedelt...
Reto beim Reinigen vom Unterwasserschiff – das erste Mal seit Griechenland, dementsprechend viel Muscheln und Algen haben sich angesiedelt…

Am 2. Januar machen wir uns dann gegen Nachmittag auf die Weiterreise, wichtig diesmal nicht zu früh sonst würden wir wieder in der Nacht ankommen oder bremsen müssen… Eigentlich sollte es nach Sao Nicolao gehen, aber als wir kurz vor dem Morgen dort waren, hatte es mit 20 Knoten Wind zu viel um dort sicher zu ankern beziehungsweise dann auch das Schiff verlassen zu können. Also direkt weiter nach Santa Luzia, die unbewohnte Nachbarinsel von Sao Vincente.

Hier zum ersten Mal alleine in einer Bucht, konnten wir mal endlich wieder sauberes Trinkwasser produzieren und das Unterwasserschiff sauber machen. Es blies zwar auch ganz ordentlich, aber da wir nicht unbedingt an Land wollten, war es weniger heikel und wir hatten 80 Meter Kette draussen, also hielt der Anker ohne Probleme.

 

 

 

 

 

 

 

 

Mindelo Hafen
Mindelo Hafen
unsere She San im Hafenbecken von Mindelo, dahinter die Marina und Altstadt
unsere She San im Hafenbecken von Mindelo, dahinter die Marina und Altstadt
wir fühlen uns fast wie im Pirates of the Caribean, als die 2 Rahsegler in der Bucht zwischen den Frachtschiffen ankern
wir fühlen uns fast wie im Pirates of the Caribean, als die 2 Rahsegler in der Bucht zwischen den Frachtschiffen ankern

Am 4. Januar dann der kurze Schlag weiter nach Mindelo auf Sao Vincente und als wir im vorderen Teil der Bucht unsere amerikanischen Freunde Carole und Jim von der Nepenthe sehen, zögern wir nicht lange und drücken uns dort mit in das kleine Ankerfeld neben der Marina. Noch einen Heckanker ausgebracht, damit wir wie die anderen Boote hier nicht schwoien, und schon stehen wir perfekt.
Warum gehen wir nicht in die Marina? Tja, erstens ist es am Anker meistens ruhiger, da es nicht so zerrt und rupft und scheppert und zweitens kostet die Marina hier auch pro m2, und da unser She San-li doch ein paar m2 hat, ist das immer gar nicht so wenig…

der überdachte Markt in Mindelo
der überdachte Markt in Mindelo
Mindelo von oben
Mindelo von oben
beim Aufstieg auf den alten Bsetzisteina (=Kopfsteinpflaster) Srassen (Anmerkung Reto auf franz.: Pierre occupé)
beim Aufstieg auf den alten Bsetzisteina (=Kopfsteinpflaster) Srassen (Anmerkung Reto auf franz.: Pierre occupé)

Nach ein paar Tagen in Mindelo überprüfen unter anderem unser Bargeld. Ganz entsetzt stellen wir fest, dass uns Escudos im Wert von ca. 100 Euro fehlen. Wir suchen in allen Taschen, gehen alle Situationen durch und können uns nicht vorstellen, wo das Geld geblieben ist. Erst in dem Moment in dem Reto sagt, “ja, dann hol ich halt nochmal 300 Euro, oder wahrscheinlich 200, da der Bankomat ja keinen höheren Betrag hergibt”, da wird uns schlagartig klar, dass es der Bankomat war, der uns “beklaut” hat, denn wir wollten zwar gerne die 300 Euro abheben, aber hatten dann tatsächlich nur 200 Euro bekommen…

In den folgenden Tagen erkunden wir Mindelo und arbeiten uns wieder mal durch die to do Listen. Da diese diesmal nicht so heftig voll sind, haben wir Zeit, hier und da eine Einladung anzunehmen und zu machen. So verwöhnen uns Carole und Jim mit einem hervorragenden Dinner mit Popcorn, Salat, selbst gemachten Herdäpfelstock (=Kartoffelpüree) und Schweinefleisch und ein anderes Mal mit Oatmeal mit frischen und trocken Früchten aus aller Welt. Da die beiden schon seit 17 Jahren mit dem Schiff auf Reisen sind, haben sie von überall auf der Welt interessante Geschichten zu erzählen und wir sind beide sehr beeindruckt, wie cool die beiden das machen.

unser sonntäglicher Besuch in der Kirche: Rechts die Band, hinten unter dem Kreuz der Bildschirm für die Liedertexte und hier gerade der Kirchenchor mit auf der Tribühne
unser sonntäglicher Besuch in der Kirche: Rechts die Band, hinten unter dem Kreuz der Bildschirm für die Liedertexte und hier gerade der Kirchenchor mit auf der Tribühne

Am Sonntag waren wir dann noch mit Carole und Jim im Gottesdienst in der Kirche und wir waren total begeistert. Von der ersten Minute an hat eine Band mit Schlagzeug und E-Gitarre den Gesang begleitet, anstatt Gesangsbücherl gab es einen Projektor, der Slide für Slide den Text an die vordere Wand der Kirche projiziert hat. Die Lieder waren so einfach, dass man nach der zweiten Wiederholung alles mitsingen konnte (gesungen wurde in Portugiesisch, nicht in Kreol) und das Verhältnis von Reden zu Musik war in etwa 1 zu 10.

Am Schluss wurden die Gäste – also wir – persönlich noch aufgefordert am nächsten Sonntag wieder zu kommen und einige kamen zu uns, um uns die Hand zu schütteln, kurz mit uns zu reden und eine Frau hat mich sogar einfach gedrückt und geküsst. Ein faszinierendes Erlebnis, vor allem wegen der Herzlichkeit die die Menschen füreinander und auch uns gegenüber ausstrahlten.

Diese Herzlichkeit ist aber leider nicht immer und überall zu spüren, als wir dann mit den Fahrrädern unterwegs waren, fühlten wir uns nicht mehr ganz so wohl. Irgendwie scheinen Fahrräder rar zu sein, und obwohl unsere schon über 10 Jahre als sind, haben sie viele neidische Augen angezogen.

im Aufstieg auf der alten Stasse von Santo Antao
im Aufstieg auf der alten Stasse von Santo Antao
oben sieht es dann fast aus wie im Engadin, es wird grün, wir sind umgeben von Föhrenwald
oben sieht es dann fast aus wie im Engadin, es wird grün, wir sind umgeben von Föhrenwald
dann die Abfahrt, rechts und links wird es immer grüner, wir bestaunen die Terassenlandschaften
dann die Abfahrt, rechts und links wird es immer grüner, wir bestaunen die Terassenlandschaften
die Schluchten rechts und links der Strasse werden immer steiler
die Schluchten rechts und links der Strasse werden immer steiler
und faszinierender
und faszinierender

Trotzdem haben wir den Ausflug auf Santo Antao genossen, die Landschaft dort ist sehr bergig und im Nordosten der Insel auch noch sehr grün. Wir fuhren mit der Fähre in gut 50 min von Mindelo nach Porto Novo, dann radelten wir gut 1400 Höhenmeter den Berg hinauf, vorbei am Vulkankrater Cova do Paul und auf der anderen Seite die alte Strasse wieder hinunter. Auf beiden Seiten der Strasse fällt das Gelände steil ab und beeindruckt mit Terrassen- landschaften und grünen Schluchten.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

ganz im Nordosten der Insel liegt Ponta do Sol, hier sieht man die Sonne auf und auch untergehen
ganz im Nordosten der Insel liegt Ponta do Sol, hier sieht man die Sonne auf und auch untergehen
Ponta do Sol ist Fischerhafen, aber die Fischerboote die hier rumstehen...
Ponta do Sol ist Fischerhafen, aber die Fischerboote die hier rumstehen…
...können aufgrund der Brandung nur von Juni bis August benützt werden
…können aufgrund der Brandung nur von Juni bis August benützt werden
die Landschaft im Paultal soll die grünste der Kapverden sein
die Landschaft im Paultal soll die grünste der Kapverden sein
die Jungpflanzen (Bananen?) werden im Flussbett in Steingärtchen aufgezogen
die Jungpflanzen (Bananen?) werden im Flussbett in Steingärtchen aufgezogen

Auf der anderen Seite unten angekommen in Ribeira Grande gefällt es uns nicht so sonderlich, also geht es direkt weiter nach Ponta do Sol. Dort treffen wir auch zum ersten Mal wieder auf andere Touristen und nachdem die Velos in der Pension verstaut sind, laufen wir durch den Fischerort, geniessen den Ausblick aufs Meer und den Sundowner.

 

Pünktlich zum Abendessen wird Reto leider krank und hat die ganze Nacht Brechdurchfall.

Am morgen geht es etwas besser und wir beschliessen uns eine Strecke mit dem Auto fahren zu lassen, um dann das Paultal, eine der grünsten Ecken der Kapverden nochmal hoch zu radeln.
Aber leider auch hier ist es uns nicht geheuer, wir müssen feststellen, dass Fahrradfahren auf den Kapverden besser in organisierten Gruppen gemacht werden sollte. Am Abend nehmen wir die Fähre zurück nach Mindelo und bereiten uns in den nächsten Tagen auf die Atlantiküberfahrt vor.

Das heisst einkaufen und zwar was es gibt und was einigermassen haltbar aussieht. nicht was man gerne möchte…So hat es zum Beispiel während der letzen Woche keine Zwiebeln gegeben, und davor gab es keine Eier. Heute morgen war ich ausgiebig auf dem Markt und hab erfahren, dass der beste Preis für Gurken bei 3 bis 4 Euro/Kilo liegt, ist aber schon gut, denn vor ein paar Tagen waren es wohl noch 6 Euro. Genauso wollten sie vor ein paar Tagen für ein Kilo Zwiebeln 4 Euro, heute hat man sie wieder zwischen 2 bis 3 Euro gefunden.  Also wird eingekauft was man findet, Kartoffel, Kürbis, Chabis (Weisser Kohl) und Rüabli (Karotten) und Auberginen haben wir nun schon mal.
Und falls es paar wieder mal ordentlich schaukeln sollte, habe ich vorsichtshalber schon etwas Kürbissuppe und Ratatouille vorgekocht.

Überfahrt von Gomera, Kanaren auf Sal, Kapverden

Am Montag Mittag war es dann endlich soweit, wir und unsere She San fühlten uns parat, der Wind kam aus der richtigen Richtung, die Hauptdünung zwar immer noch nicht, aber das ist wohl normal um diese Jahreszeit, also müssen wir da durch.

der Süden von La Gomera, Playa de Santiago
der Süden von La Gomera, Playa de Santiago

Nach der Ausfahrt von San Sebastian de la Gomera haben wir vorsichtshalber mal nur die Genua gesetzt, und das war auch gut so, denn die Winde, die da aus den Tälern der Insel auf uns hinunter geblasen haben, waren alles andere als stetig. Ständig stand die Genua wieder auf der anderen Seite, es war richtig nervig.

Regenbogen
Regenbogen
Reto beim Wassermachen ;-)
Reto beim Wassermachen 😉
schon wieder beim Wassermachen, diesmal im Regen
schon wieder beim Wassermachen, diesmal im Regen

Dann etwas weiter weg von La Gomera wurde der Wind konstanter, und viel! In den Spitzen hatten wir sicher an die 25 Knoten, und mit dem Seegang zusammen war das dann selbst auf unserem Katamaran schon ein rechtes Geschaukel. Die Hauptdünung von Nordwest und oben drüber die andere vom Wind aus Nordost trafen sich irgendwie direkt unter unserem Schiff und wir lernten zum ersten Mal kennen, dass es ganz schön nass sein kann, auch auf einem Katamaran… Nach dem ersten Gutsch Salzwasser bis in den Salon mussten wir neue Regeln einführen, so wie “immer sofort die Salontüre schliessen” und “die Decksschuhe müssen vor Betreten des Salons ausgezogen werden” (Anmerkung des Skippers: Regel=Weisung der Capitana). Das – zusammen mit täglichem Bodenputzen- hat sich dann auch bewährt, um den Salzgehalt an Bord auf ein erträgliches Mass zu beschränken.

Was auch neu war für uns beide an diesen ersten Tagen der Überfahrt, es wurde uns beiden zum ersten Mal so richtig flau im Magen und wir können nun gut all die Segler verstehen, die vom Unwohlsein in den ersten Tagen einer Reise berichten. Nun nach 3 Tagen war auch bei uns wieder alles prima, aber als wir uns daran gewöhnt hatten, wurde dann auch der Wind weniger…

Nun, was ist so passiert in all den Tagen (fast 6 Tage und 769 Meilen von La Gomera bis nach Palmeira auf Sal)?

und beim Wiedereinziehen der abgerissenen Reffleine
und beim Wiedereinziehen der abgerissenen Reffleine

Am ersten Tag hat es uns als erstes dann gleich mal die Reffleine vom 2. Reff verrupft, war nicht so schlimm in dem Moment, da wir mit dem 3. Reff auch immer noch fast 7 Knoten Fahrt gemacht haben. Die Reparatur gingen wir dann erst 2 Tage später an, als der Wind langsam abnahm und wir an Ausreffen überhaupt dachten.
Dann haben wir durch die hohe Geschwindigkeit und das zusätzliche “Wellen-Hinabsurfen” unseren Schleppgenerator überfordert, seitdem läuft die Fehlersuche auf hohen Touren. Armin der Entwickler des Systems unterstützt uns dabei mit allen Kräften, vielen Dank.

Weihnachtlicher Tisch, vor allem ist er mal endlich aufgeräumt ;-)
Weihnachtlicher Tisch, vor allem ist er mal endlich aufgeräumt 😉
zum Wachwechsel gibt es die Geschenke: Vanillekipferl, Stollen und Schokitrüff
zum Wachwechsel gibt es die Geschenke: Vanillekipferl, Stollen und Schokitrüff

Dann haben wir natürlich auch Weihnachten gefeiert: nach dem Sundowner-Bier haben wir mit dem Satelliten-Telefon unsere Familie angerufen, dann gab es zur Feier des Tages einen aufgeräumten Salontisch, damit unser Weihnachts-bäumchen auch wirklich zur Geltung kommen konnte und ein Weihnachtsmenü mit Salat mit Orangen und Baumnüssen (Walnüssen) und unserem kleinen Bonito mit Ratatouille als Hauptgang.
Um Mitternacht, als Reto dann zur Wachablösung aufwachte, gab es sogar “Geschenke”, feine Vanillekipferl aus der Türkei, Buttermarzipan-Ministollen (vom Lidl Spanien) und spanische Schokitrüff (lange nicht so gut wie die von Retos Mama Felicitas, aber immerhin…). Damit war klar, was wir während der nächsten Nachtwachen naschten.

Apropos Nachtwachen: während der ganzen Übefahrt hat uns der Mond fast immer das Meer ausgeleuchtet, denn wir hatten mittendrin Vollmond und nur in einer Nacht einen bedeckten Himmel. Es gibt dann fast nichts schöneres, als im Steuerstand sitzen, den Mond anschauen und eine Tasse Tee mit Vanillekipferl geniessen, während das Schiffli die Wellen rauf und runtersurft 😉

Dann standen wir vor der Wahl entweder alles Tuch rauf und Geschwindigkeit machen was geht, damit wir am Samstag noch vor Dunkelheit ankommen, oder es gemütlich nehmen und wenn es sein muss, am Schluss noch einbremsen, um so am Sonntag morgen anzukommen. Wir entschieden uns für die Variante 2, besser sicher und langsam und weniger stressig.

In der Nacht von Freitag auf Samstag hat dann auch tatsächlich der Wind abgestellt, so konnten wir es ruhig nehmen, etwas Motoren, dann “dümpeln”.

Während dem wir so am dümpeln waren, wir hatten nur die Genua draussen bei wenig Wind, hab ich versucht, ein Nachmittags-Schläfchen zu machen, da höre ich Reto rufen “Fiiiisch, Fiiiisch!!”. Ich stürme nach oben und sehe ihn an der linken Angel, dabei höre ich auch die rechte Angel knattern und in einem Affenzahn ausrauschen.

Haben doch tatsächlich innerhalb von 1 Minute 2 Fische gebissen, und was für welche!!!

gleich 2 so riesen Goldmakrelen auf einmal - gerade aus dem Wasser ändert sich die Farbe und sie werden dunkel und blass
gleich 2 so riesen Goldmakrelen auf einmal – gerade aus dem Wasser ändert sich die Farbe und sie werden dunkel und blass
aufgehängt am Dinghi-Motor- Galgen - so ist er wenigstens für etwas gut...
aufgehängt am Dinghi-Motor- Galgen – so ist er wenigstens für etwas gut…

Nachdem wir beide etwas näher an Bord haben, holen wir erst den ersten, dann den zweiten mit Hilfe von Gaff und einer Leine um die Schwanzflosse an Bord. Klar, dass dabei etwas Blut verspritzt wurde (Skipper: es war ein Gemetzel) – ich war von oben bis unten rot gesprenkelt.

und nun geht die Arbeit erst richtig los, ausnehmen, filtetieren, enthäuten....
und nun geht die Arbeit erst richtig los, ausnehmen, filtetieren, enthäuten….
eigentlich hätte es Falafel zum Znacht geben sollen, so gibt es halt Fisch zum Salat ;-)
eigentlich hätte es Falafel zum Znacht geben sollen, so gibt es halt Fisch zum Salat 😉

Die anschliessenden Stunden habe ich dann halt mit der Fischverarbeitung verbracht, erst Fleisch rausschneiden, häuten, Ceviche machen, Steaks putzen, und und und… Reto hat zum Glück den Putzteil übernommen und unser eher rotbraunes Deck wieder weiss gemacht. Kurz vor Mitternacht -als wir beide den ersten Fischschock überwunden und langsam wieder Appetit hatten – gab es dann auch endlich das erste Probiererle…

Ach ja, was sind die Fakten? Es waren 2 Goldmakrelen mit Länge 1.20 m und 1m, Gewicht 8.5 kg und 5.5 kg, das ergab am Ende dann ca. 5.5 kg Fleisch.

kurz vor Sal wird endlich die Kapverdische Fahne gehisst, zusammen mit der gelben Quarantäne Fahne
kurz vor Sal wird endlich die Kapverdische Fahne gehisst, zusammen mit der gelben Quarantäne Fahne
uff, geschafft, wir sind glücklich und geniessen eines der letzen Cruzcampo, bald gibt es Sagres ;-)
uff, geschafft, wir sind glücklich und geniessen eines der letzen Cruzcampo, bald gibt es Sagres 😉
der Mercado Municipal von Palmeira, ziemlich überschaubar...
der Mercado Municipal von Palmeira, ziemlich überschaubar…
Strand von Palmeira und die Bucht voll mit Schiffen - ganz vorne links ein besonders schönes ;-)
Strand von Palmeira und die Bucht voll mit Schiffen – ganz vorne links ein besonders schönes 😉

Und gleichzeitig kommt Sal immer näher, und wir sind aufgeregt, zum ersten Mal mit unserem Schiffchen ausserhalb Europa anzukommen. Nach der Einfahrt in die Bucht von Palmeira geht es dann keine 5 Minuten, schon kommt uns ein Mann in einem Dinghi entgegen (D’Jay heisst er, erfahren wir später) und lotst uns ganz vorne zu einem Platz, an den wir uns ohne ihn nie hingetraut hätten. Cool, und ich bin ganz happy, dass ich mich offensichtlich auf portugiesisch gut mit den Kapverdern verständigen kann.

So sitzen wir dann da, geniessen unser Ankunftsbier und sind beeindruckt von unserer neuen Umgebung. Irgendwie ist es völlig exotisch und anders, eben nicht mehr Europa.
Die Fischer bringen ihren Fang an Land und die Einheimischen kommen in kleinen Booten von überall auf der Insel, denn es ist Sonntag und in Palmeira ist am Sonntag Festa.
Am Abend gibt es Tanz und Espeitinhos (Spiesschen vom Grill). Also gehen wir halt trotzdem wir  hundemüde sind am Abend tanzen – es ist einfach herrlich. Jung und alt, alle sind unterwegs, ein richtig schönes Dorffest.

Am nächsten Morgen klarieren wir erst mal ein, der Polizeibeamte ist super freundlich (mein Portugiesisch hilft vielleicht auch mit, seine Redseligkeit zu unterstützen) und wir sind positiv überrascht. Bei der Frage wie lange wir bleiben wollen erklärt er uns, “na, mit dem Boot dürft ihr 90 Tage bleiben, aber wenn es Euch gefällt, dann müsst ihr einfach eine Nacht nach draussen segeln und dann dürft ihr wieder einreisen”. Ich habe das Gefühl, das erzählt er auch nicht jedem, nun gut, so lange haben wir aber wohl auch nicht Zeit.
Die nächsten 2 Tage sind Starkwind, da wir bleiben mal schön an unserem Ankerplatz, danach werden wir sehen, was für Möglichkeiten uns das Wetter so lässt. Sicher planen wir ein paar  Wochen auf den Kapverden zu verbringen.