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Von Griechenland nach Italien durch das Ionische Meer und rüber auf Sizilien

Gewitterstimmung mit Abendrot über Lefkas Hafen
Gewitterstimmung mit Abendrot über Lefkas Hafen

Also genossen wir den Hafentag, an dem es wirklich zu grauslich war, nur einen Fuss vors Schiff zu setzen und machten sinnvolle Sachen wie Blog schreiben (ich) oder schlafen (Reto).

der Nordausgang von Lefkas, einmal pro Stunde lässt die Brücke die Yachten durch
der Nordausgang von Lefkas, einmal pro Stunde lässt die Brücke die Yachten durch

Am nächsten Tag war die Gewitterfront vorbei und es regnete nur mehr normal, also weiter geht es mit anfangs schönem Segeln, später unter Motor nach Ormos Lakka auf der Insel Paxoi südlich von Korfu.

Ormos Lakka auf der Insel Paxoi südlich von Korfu
Ormos Lakka auf der Insel Paxoi südlich von Korfu

Ganz unerwartet geniessen wir das Wasser (Reto macht das Unterwasserschiff sauber, damit unser She San-li auch ja schnell läuft) und die Ruhe in der Bucht.

 

 

Korfu
Korfu
Korfu
Korfu

Dann am Sonntag unter Motor nach Korfu bzw. Marina Gouvia nordwestlich von Korfu Stadt, da man dort gemäss unserem Führer ausklarieren muss. Der Plan war mit den Velos die Stadt besuchen und vielleicht noch auf einen Hügel ein paar Höhenmeter machen. Um kurz vor 14 Uhr machen wir an der Tankstelle der Marina noch einen Stop um Diesel zu bunkern.

der Motor nach dem Löschen
der Motor nach dem Löschen
der verkokelte Anlasser
der verkokelte Anlasser
Unser schöner Liegeplatz für eine Nacht, die Anlegestelle für die Boote mit technischen Problemen ;-(
Unser schöner Liegeplatz für eine Nacht, die Anlegestelle für die Boote mit technischen Problemen ;-(

Gerade als der Tank voll ist sieht Reto aus dem rechten Motorenraum Rauch kommen. Oha, was ist denn das? Reto rein in den Motorenraum, ich sofort den ersten Feuerlöscher an ihn weitergegeben und 3 weitere geholt, der Tankwart kommt und bringt seinen grossen Feuerlöscher mit, als er sieht, dass es raucht und natürlich sind alle hyper-nervös, da die Tankstelle ja so ziemlich der dümmste Platz für einen Brand ist.

Der erste 2 kg Feuerlöscher reicht aber vorig, da Reto den Brandherd schnell lokalisiert hat, es war  der Anlasser vom Motor. Super, was tun? Alles ist voller Löschpulver und so toll manövrierfähig sind wir mit einem Motor nicht. Aber die Jungs von der Marina sind sofort zur Stelle und ziehen uns in das Becken vor der Tankstelle, dort ist sowieso der Platz für Schiffe mit technischen Problemen.

Und anstatt ein Anlegerbier zu trinken und Korfu mit dem Velo zu erkunden sind wir halt wieder mal am schrauben. Was für ein Glück, dass wir uns entgegen der Meinung mancher Experten in Marmaris schon einen Ersatzanlasser angeschafft hatten (ich musste den am Töff auch schon 2 mal ersetzen). 2 Stunden später lief der Motor wieder, danach aber musste noch das ganze Pulver wieder aus dem Maschinenraum geputzt werden.

Am nächsten Tag wurden dann noch 2 Sicherungen nachgerüstet, um solche Fälle in Zukunft zu verhindern, aber die Grundursache ist natürlich immer noch nicht klar. Eine Vermutung war, dass durch den Kontakt vom Tankstutzen zu unserem Edelstahltank ein Potentialunterschied zu dem Kurzschluss führte.

Am Mittag waren wir wieder reisebereit und fanden es sei Zeit nach Italien weiter zu ziehen. Die nette Lady von der Port Police hatte uns am Morgen gesagt, kein Problem, bis um 15 Uhr können wir bei ihr ausklarieren. Als wir dann mit unseren Papieren da standen, sagte sie “ja und mit dem Transit Log müsst ihr dann noch nach Korfu Stadt rein”. Super, also was tun? Doch nochmal eine Nacht in der teuren Marina? Als wir auf den Wetterbericht schauen, wird es klar, wir müssen diese Nacht nützen, es wird nicht besser.

Nachtschlag auf dem Weg nach Italien
Nachtschlag auf dem Weg nach Italien

Also mit dem Schiff nach Korfu Handels-hafen, Papiere dort bei der Port Police abstempeln und im Anschluss noch zu den Customs, das Transit Log abgeben und los geht es an Korfu’s Küste Richtung Norden und Albanien, dann westlich nach Italien.

In der Nacht hat es 6 bis 7 Beaufort Wind, wir sausen am Wind mit dem 3. Reff eingebunden trotzdem immer noch mit 8 Knoten Richtung Italien. Der Kurs ist gegen die Wellen relativ anstrengend, als ich versuche meine ersten Stunden Schlaf zu bekommen, habe ich das Gefühl, dass sich bei jeder 3. Welle der Lattenrost vom Bett hebt und wieder runterknallt, also geht es lieber etwas eingekringelt auf die Salonbank. Dadurch, dass wir so schnell sind, passieren wir bereits morgens um 4 St. Maria di Leuca, wo wir evtl. eine Nacht hätten bleiben können.

der Flaggenwechsel von Griechenland nach Italien
der Flaggenwechsel von Griechenland nach Italien

Also direkt weiter nach Gallipoli, dort warten uns 2 Paletten Hausstand, Werkzeug ect. auf uns. Eigentlich nur mehr 35 Meilen vom Cap bei St. Maria di Leuca, aber wir brauchen dann tatsächlich nochmal 9 Stunden gegen den Wind, den dieser ist voll auf der Nase. Im Nachhinein sagt Reto “gegen den Wind, das machen nur Idioten oder Anfänger”, wir überlegen kurz zu welcher der beiden Gruppen wir uns zählen und meinen nur “Cunter il Vent…” (siehe 1. Woche Türkei).

Dementsprechend erleichtert machen wir in der Marina Blue Salento fest, die uns eigentlich ja nicht aufnehmen wollten, nur dank der Beziehungen von Francesco, einem Freund von meinem Bruder Alfred und seiner Frau Anna konnten wir dort überhaupt rein. Francesco war es auch, der unsere Paletten beherbergt hat und deren Inhalt zusammen mit Antonio, dem Bruder von Anna uns in einer Rekordzeit aufs Schiff geschafft hat. Wow, ich wusste, dass wir viel eingepackt hatten, aber als das dann alles auf dem Schiff stand, war ich ein wenig unsicher, wie wir alles unterbringen. Aber kein Problem, ein paar Stunden später sind die meisten Dinge an ihrem Platz und seit dem freuen wir uns kontinuierlich über die schönen Sachen.

Wir geniessen die neuen TelleR (Danke Alfred!) und nach 8 Wochen weissen Käse die Auswahl an Schinken und Käse ;-)
Wir geniessen die neuen Teller (Danke Alfred!) und nach 8 Wochen weissen Käse die Auswahl an Schinken und Käse 😉

Der Wasserschlauch von Felicitas, der Kärcher zum Velo und Schiff abspritzen, die Crocks, der Ofen zum Brot aufbacken, das Geschirr, das wir von Alfred bekommen haben, die Werkzeuge, die wir jetzt schon Wochen lang hätten brauchen können…

Gallipoli Altstadt ist wirklich einen Besuch wert
Gallipoli Altstadt ist wirklich einen Besuch wert
Gallipoli old town
Gallipoli old town

 

 

Neben dem Aufräumen geniessen wir am nächsten Morgen noch kurz Gallipoli und da der Wetterbericht aufs Wochenende wieder Gewitter meldet, entscheiden wir uns wieder einen Nachtschlag Richtung Süden zu machen.

 

 

 

 

 

Am Anfang segeln wir (mit dem ersten Reff) mit schönen 7 Knoten im Mondlicht, es ist einfach herrlich so denke ich. Als mich dann Reto während meiner Freiwache um 4 Uhr weckt, ist es leider vorbei mit herrlich. Kurz zuvor war er durch eine Gewitterzelle gesegelt und der Blitz hatte direkt neben ihm eingeschlagen.

die Gewitter auf dem Radar Display - beim Katz und Maus Spiel mit uns
die Gewitter auf dem Radar Display – beim Katz und Maus Spiel mit uns
Sonnenuntergang auf dem Weg nach Italien
Sonnenuntergang auf dem Weg nach Italien

Der Radar meldet weitere Gewitterfelder, also Motor rein und das Katz und Maus- Spiel beginnt. Den ersten paar können wir noch gut ausweichen und bleiben sogar auf Kurs, irgendwann fahren wir wieder zurück, wo wir herkommen und sehen “Mist, jetzt haben wir keine Chance mehr auszuweichen, also umkehren und den besten Weg mittendurch.

die Hafeneinfahrt von Rocella Ionica - der sicherste Weg ist erst mal bis kurz vor die Mole darauf zu fahren, ja nicht in der Einfahrt!! Zum Glück hilft uns Davide ;-)
die Hafeneinfahrt von Rocella Ionica – der sicherste Weg ist erst mal bis kurz vor die Mole darauf zu fahren, ja nicht in der Einfahrt!! Zum Glück hilft uns Davide 😉
die mittelalterliche Stadt Caulonia
die mittelalterliche Stadt Caulonia
die mittelalterliche Stadt Caulonia
Caulonia
der Blick herunter von Caulonia aus
der Blick herunter von Caulonia aus
die Burg von Rocella Ionica
die Burg von Rocella Ionica
Cactus fruits everywhere
Cactus fruits everywhere
typisches Stadtbild in Calabrien: die Männer sitzen auf dem Bänkli und schauen und tratschen
typisches Stadtbild in Calabrien: die Männer sitzen auf dem Bänkli und schauen und tratschen
kilometerlange Strände in Rocella und Umgebung
kilometerlange Strände in Rocella und Umgebung

Also wir am Mittag in Rocella Ionica einlaufen – die Einfahrt ist dann auch noch spannend 😉 und festmachen sind wir überfroh und Reto hat erstmal die Schnauze voll von Gewittern.
Da die nächsten Tage aber nach wie vor mit Gewitterrisiko gemeldet werden, heisst es nun endlich mal die Velos auspacken, die Gegend erkunden und ein paar Höhenmeter machen.

Coole Sache, so treffen wir neben den unendlich langen Sandstränden auf Plantagen mit Orangen, Olivenheine, Kaktusfrüchte, Granatäpfelbäume, herrliche Hügellandschaften, das Mittelalterliche Städtchen Caulonia und natürlich auch Rocella Ionica selbst, mitsamt Palacio und Burg.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Calabrien im Oktober - zumindest die Autobahn schaut mal sehr leer aus, weit und breit kein Auto in Sicht
Calabrien im Oktober – zumindest die Autobahn schaut mal sehr leer aus, weit und breit kein Auto in Sicht
Reto bei der Olivenernte
Reto bei der Olivenernte

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Ein Highlight ist natürlich die Olivenernte zusammen mit Mimmo und seinen Söhnen und ich bekomme erklärt wie man schwarze Oliven 1 Woche lang wässert und danach mit Salz und Gewürzen einlegt.

 

 

 

ich darf mir die reifsten schwarzen Oliven raussuchen
ich darf mir die reifsten schwarzen Oliven raussuche
Mimmo, der uns spontan zur Olivenernte einläd und mir die besten schwarzen Oliven mitsamt Rezept mitgibt
Mimmo, der uns spontan zur Olivenernte einläd und mir die besten schwarzen Oliven mitsamt Rezept mitgibt

 

 

 

 

 

 

 

hier gibt es die Pizza nur in Einheiten von halben Metern, zusammen mit einem feinen Heineken ein gute Sache ;-)
hier gibt es die Pizza nur in Einheiten von halben Metern, zusammen mit einem feinen Heineken ein gute Sache 😉

 

 

 

 

 

 

 

 

Apropos Essen, in der Hafenpizzeria kann man nur Pizzas ab einem halben Meter bestellen…

 

 

 

 

 

 

An dem Montag morgen, als wir eigentlich weiter wollten, verbringen wir nochmal einen geschlagenen Vormittag damit, die verschiedenen Wetterberichte zu studieren und uns eine Taktik weiter zu kommen zu überlegen, mit dem Fazit “es ist zur Zeit einfach beschissen”. Alle paar Tage kommt wieder eine Front mit hohen Gewitterrisiken und als wir dann auch noch von den Tornados in Südfrankreich hören, sind wir erstmal völlig verunsichert…Aber auch unsere Schweizer Nachbarn Guido und Liz, die schon seit 8 Jahren mit dem Schiff unterwegs sind, sind verunsichert und bleiben auch erstmal im Hafen.

der erste Bonito des Tages steht schon auf dem Tisch...
der erste Bonito des Tages steht schon auf dem Tisch…
und schon wieder ein Bonito
und schon wieder ein Bonito
gefolgt von 2 Kollegen während der erste schon fürs Mittagessen als Sushi und fürs Abendessen als Ceviche parat war
gefolgt von 2 Kollegen während der erste schon fürs Mittagessen als Sushi und fürs Abendessen als Ceviche parat war

Und wie wir dann das Ionische Meer in Richtung Westen verlassen zeigt sich wieder mal unser Fischerglück. Gerade am morgen kurz nach dem Auslaufen der erste, dann mittags als der erste schon am Tisch steht, kommen Nummer 2 und 3 des Tages dazu – die 3 scheint unsere Fisch-Glückszahl zu sein 😉

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

die Strasse von Messia, mitten durch Skylla und Charybdis
die Strasse von Messia, mitten durch Skylla und Charybdis
Anfahrt auf San Nicola d'Arena
Anfahrt auf San Nicola d’Arena
San Nicola, ein überschaubarer aber gut geschützter Hafen
San Nicola, ein überschaubarer aber gut geschützter Hafen
wenn die dunklen Wolken über den Berg ziehen und die Sonne ab und zu raus kommt ;-)
wenn die dunklen Wolken über den Berg ziehen und die Sonne ab und zu raus kommt 😉

IMG_1913In Reggio di Calabria dann wieder einen Tag Starkwindpause bevor es weiter geht in einem Nachtschlag fast nur unter Motor bis nach San Nicola L’Arena etwas östlich von Palermo. Es war eine böse Front gemeldet mit viel Gewitter und Starkwinden.  Daher suchten wir uns diesen Hafen aus, der einerseits guten Schutz verspricht und andererseits gemäss den Wetterkarten durch die geographische Lage etwas im Schutz der Nordküste liegt. Pietro, der Mitarbeiter der Anlegestelle meint es dann auch sehr gut mit unserem She San-li und sie wird auf der einen Seite mit 5 Mooringleinen auf 4 Klampen verteilt und auf der anderen Seite mit 5 Festmachern auch auf 4 Klampen verteilt eingespannt wie in einem Spinnennetz. So können wir – trotz den zum Glück hier nur 30 Knoten Wind – schlafen wie die Murmeltiere.

 

 

 

Dann wäre eigentlich der Plan gewesen von Montag auf Dienstag nach Sardinien weiter zu hopsen aber wie das so ist mit den Plänen…
Erstens ist am Dienstag ist das Gewitterrisiko dort, wo wir dann wären so hoch, dass die nächste Ohrfeige garantiert wäre, und zweitens? Ja,  zweitens haben wir gestern (natürlich Samstag nachmittag, als wieder alle Geschäfte zu sind) festgestellt, dass das Relays zum Startermotor der Auslöser für unseren Kabelbrand war und nun schon wieder auf dem Weg war einen zweiten Brand zu verursachen… Also am Montag erst mal los und Yanmar- Händler suchen… Aber wir haben “Zeit”, denn das nächste dann hoffentlich stabilere Wetterfenster kommt erst Ende der Woche…

Vom Kanal von Korinth bis ins ionische Meer

Wie geht es also weiter in Griechenland? Die nächsten Stationen sind irgendwie schon ziemlich vorgegeben, denn wir möchten als nächstes durch den Kanal von Korinth und anschliessend natürlich durch den Golf von Korinth und den Golf von Patras bis ins Ionische Meer.

Also machen wir uns auf von Perdika und hissen schon nach der kleinen Insel Moni die Segel,

Eines der vielen Frachtschiffe vor der Raffinerie nahe dem Korinthkanal
Eines der vielen Frachtschiffe vor der Raffinerie nahe dem Korinthkanal

aber nach einer halben Stunde von 5 Beaufort auf die Nase ist wieder alles flach und wir motoren nach Norden, nur die letzten 2 Stunden dürfen wir noch gemütlich auf das Frachterfeld vor der Raffinerie zufahren.

Sonnenaufgang an der Kanaleinfahrt
Sonnenaufgang an der Kanaleinfahrt

Am nächsten Morgen um Punkt 7 Uhr ruf ich den Kanal per Funk an und wir dürfen sofort zahlen und danach auch sofort durch den Kanal brausen.

 

 

östliche Einfahrt Kanal von Korinth
östliche Einfahrt Kanal von Korinth
Kanal von Korinth
Kanal von Korinth

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

IMG_1437

Delphine - diesmal 4 gleichzeitig (habe ich natürlich nicht alle aufs Foto gebracht ;-)
Delphine – diesmal 4 gleichzeitig (habe ich natürlich nicht alle aufs Foto gebracht 😉

 

 

 

 

Danach empfangen uns flotte 5 Beaufort und wir brausen mit 9 Knoten/Stunde Richtung Nordwest. Leider war das ganze wieder mal nicht anhaltend, also ab Mittag wieder motoren.

Zum Glück kommen immer wieder Delphine und muntern uns auf.

 

 

Einfahrt und Bucht von Trizonia
Einfahrt und Bucht von Trizonia
die "Marina" in Trizonia - wir wurden zwar registriert, aber der Liegeplatz war gratis ;-)
die „Marina“ in Trizonia – wir wurden zwar registriert, aber der Liegeplatz war gratis 😉

Gerade als wir in Trizonia beim Hafenmanöver mit etwas Gegenwind kämpfen, bekommt der rechte Motor wieder Überhitzungsalarm. Prima. Aber auch darüber regen wir uns langsam schon weniger auf…

So schreiben wir am nächsten Tag erst mal ein Mail an den Yanmar Vertreter unseres Vertrauens und gehen eine Runde wandern. Dann werden die Kühlwasser-füllstände kontrolliert, die Leckage-möglichkeiten eroiert, alle Motorenwartungsheftchen studiert, ect. Irgendwie schwant uns, dass das Thema uns noch länger beschäftigen wird.

Trizonia "Hafenmeile"
Trizonia „Hafenmeile“

 

 

 

 

 

 

mit 2.5 km die längste Hängebrücke der Welt
mit 2.5 km die längste Hängebrücke der Welt
es war nicht wirklich knapp aber trotzdem spannend
es war nicht wirklich knapp aber trotzdem spannend

Aber zunächst geht es mal weiter in Richtung Westen, unter der grössten Hängebrücke der Welt durch, die ca. 2.5 km lang ist und schon von weitem her sichtbar. Auch Yachten müssen sich hier per Funk anmelden und werden auf den Durchfahrtskanal hindirigiert. Bei uns war zum Glück gerade gar nichts los, aber trotz wenig Verkehr und wenig Wind war die Durchfahrt spannend.

 

 

 

 

 

 

die Häuser auf Stelzen an der Einfahrt vom Kanal von Mesolongion
die Häuser auf Stelzen an der Einfahrt vom Kanal von Mesolongion
on the way out it is the lady's turn to steer - just stay close to the track on the chartplotter ;-)
beim Rausfahren ist nun mal die Frau an der Reihe. Man kann nix verkehrt machen, man muss nur dem Track auf dem Chartplotter nachfahren

Nach einem kurzen Stückchen Segeln weiter motoren bis nach Mesolongion, ein ganz nettes Städchen mit einem “interessanten” Zufahrtskanal von 2.5 Meilen, wo man nie genau weiss, ob man auf Sand aufläuft. Jedenfalls hatten wir schon mit 2 Yachten über diese Einfahrt gesprochen und beide sind sie aufgelaufen…wir aber nicht hähä.

Am nächsten Morgen um 8 Uhr geht es endlich weiter ins Ionische Meer, allerdings fast alles wieder unter Motor, da kaum ein Lüftchen zu sehen.

Als wir nun an den ersten Ionischen Inseln vorbeifahren, fällt uns schon auf, dass einiges an Aktivität im und auf dem Wasser istund tatsächlich beisst schon bald der erste kleine Bonito an unsere Schleppangel.  Juhuii!! Das ist seit vielen Jahren (2011) der erste Fisch, der sich an unsere Schleppangel verirrt.

Bonito 1 und 2
Bonito 1 und 2

Aber kaum hat es sich Reto vorne auf dem Netzli bequem gemacht und ich mich in der Küche an die Verarbeitung des Fisches gemacht, schon surrt die Angel ein zweites Mal und ein zweiter kleiner Bonito (etwas grösser als der erste immerhin) landet an Bord.
Damit sie nicht so zappeln während Reto ihnen gekonnt das Messer an den Hals setzt, bekommen sie immer einen Schluck Schnaps in die Kiemen, ein hilfreicher Trick, den wir mal bei ein paar Seglern gelesen hatten. Nun ist der Schnaps fast alle.

und unser erster (kleiner) Schwertfisch
und unser erster (kleiner) Schwertfisch
die Köchin hat Freude, nur als ganzer geht der nicht in den Kühlschrank ;-)
die Köchin hat Freude, nur als ganzer geht der nicht in den Kühlschrank 😉

Aber gerade eben als Reto wieder auf dem Netzli vorne liegt, surrt es schon wieder und diesmal ist es etwas grösseres. Oh weh, sage ich, ich glaube wir haben einen Vogel gefangen. Die kreisen immer ganz interessiert über unserem Köder und meinen es sei eine Beute für sie. Aber nein, als er näher dran ist sehen wir es: es ist ein kleiner Schwertfisch, wow!! Und wie der Zufall es wollte, hatten wir gerade kurz vorher den Fall durchgesprochen, was den zu tun ist, wenn mal ein grösserer Fisch kommt, den ich vielleicht nicht mehr so einfach mit den Händen festhalten kann. Also Schlaufe rum um die Angelrute und als er da ist hab ich ihn wunderbar fest an der Leine um die Schwanzflosse rum gesichert. Das war auch wichtig, bei diesem Kandidat, denn sein Schwertchen hätte uns ganz schön verletzen können.

2 weitere Bisse blieben (fast schon zu Glück) ohne Erfolg, aber ich hatte ja eh schon genug zu tun 😉 und genug frischen Fisch für die nächsten Tage.

Thon- und Schwertfisch-Sushi Nummer 1
Thon- und Schwertfisch-Sushi Nummer 1

Und wieder mal hatten wir unterschätzt, dass wir in einer Chartergegend sind. So klappte es erst in der 3. Bucht ein Plätzchen zu finden, das hiess um 8 Uhr abends fest vor Anker in Vathy auf Nisos Ithaki. Uff, das war ein langer und ereignisreicher Tag!

 

 

 

eines von vielen Schwertfisch-Carpaccios ;-)
eines von vielen Schwertfisch-Carpaccios 😉

 

 

 

 

 

 

 

 

Und ereignisreich sollte es dann weiter gehen. Na, zunächst Mal den Tag ruhig gestartet, ein paar Wetterberichte runtergeladen und dann gemütlich zur nächsten Insel in eine schöne grosse rundum geschützte Buch gesegelt.

volle Buchten bei Nidri auf Lefkas
volle Buchten bei Nidri auf Lefkas

Da hat uns schon fast der Schlag getroffen wie viele Schiffe hier gleichzeitig unterwegs und vor Anker sind. Alles voll. Aber doch gab es im Ankerfeld noch ein nettes Plätzchen mit viel Abstand zu den anderen und beim 2. Mal probieren hat unser Anker auch ordentlich gegriffen. Leider hat sich dann noch ein Engländer etwas nahe neben uns gesetzt, wir haben es ihm noch gesagt, aber er meinte nur “it will be alright” und ist mit Schlauchboot und Frau zum Znacht in die Taverna abgedüst.

Sushi Nummer 2
Sushi Nummer 2

Auch wir haben unseren Fang wiederum als Sushi genossen und uns aufgrund der immer näher kommenden Blitze und des immer finsterer werdenden Himmels schon mal auf eine unruhige Nacht eingestellt.

 

 

 

 

Und dann sahen wir eine “schwarze Wand” vom Berg herunter auf uns zu rollen und wir gerade noch rein in die Regenklamotten und den Motor an. Was dann innerhalb der nächsten 2 Stunden über uns hereinbrach, konnten wir uns vorher nicht vorstellen. Zunächst hielt unser Anker gut, während viele um uns herum (auch besagter Engländer) anfingen auf Drift zu gehen, das heisst die Boote bewegten sich teils völlig unbemannt in die Richtung in die Wind und Wellen sie trieben. Da war eines, das trieb fröhlich auf unseren Nachbarn zu (jetzt war ich wieder froh dass er sich neben uns gequetscht hatte) und als er ihn fast berührte kam erst mal jemand an Bord, um was zu unternehmen. Dann hatten die beiden irgendein Problem mit ihren Ankerketten und während wir weiterhin einfach nur so mit dem Wind kämpfen und versuchen uns von den umiegenden Schiffen frei zu halten, da rumpst es auf einmal bei uns a Heck und wir stellen fest, dass wir gerade am Ufer aufgeschlagen waren. Also auch Anker ausgerissen. Bei ca 1 m hohen Wellengang die Ankerkette reinzunehmen war dann der eine Akt, aber anschliessend zwischen den anderen in der Bucht gegen den Wind zu fahren bis wir uns wieder getraut haben, den Anker zu werfen, ein anderer…

Schlussendlich nach 2 Stunden Kampf waren wir um Mitternacht wieder so weit fest, dass ich versucht habe zu schlafen und Reto Ankerwache hielt, um im Notfall wieder einzugreifen. Ich muss gestehen, erst um 5.30 habe ich ihn abgelöst, so dass er auch eine kurze ruhige Mütze Schlaf bekommen konnte. Ach ja, zum Schaden am Heck, wir konnten es im trüben Wasser noch nicht besser prüfen, aber wahrscheinlich hatten wir wirklich super Glück und sind nur mit dem Heck genau auf einen Kai aufgeschlagen, ohne weitere Schäden an Ruder oder Propeller zu nehmen. Ob unser Anker nun alleine ausriss oder von den beiden Nachbarn ausgerissen wurde, wissen wir nicht, aber in Zukunft werden wir selbst “umparkieren” wenn uns einer zu nahe kommt.

Lefkas Hafenpromenade - gegenüber die Sunsail Flotte
Lefkas Hafenpromenade – gegenüber die Sunsail Flotte

Etwas geprügelt sind wir dann am Montag vormittag hoch in die Lefkas Marina und waren erst mal froh, die nächsten Böen und Gewitterwolken im sicheren Hafen verbringen zu dürfen. Das traf sich eigentlich sehr gut, denn erste Priorität hat nun mal die Reparatur der beiden Kühlwassersysteme. Der Yanmar-Händler hat viel und der Rest ist am nächsten Tag aus Athen da, super, also los geht es.

Wärmetauscher vor der Reinigung
Wärmetauscher vor der Reinigung

Die beiden Wärmetauscher wurden geputzt (waren weniger dreckig als wir befürchtet hatten, aber der Durchsatz vom Seewasser ist deutlich besser), die Thermostate ersetzt (die ihre Funktion schon völlig verloren hatten) und

Frischwasserpumpe neu und alt
Frischwasserpumpe neu und alt
Heineken trifft sich in der Bar
Heineken trifft sich in der Bar

die Frischwasserpumpe auf der einen Seite ersetzt, dort wo sie sichtbar leck war. Und das alles natürlich unterstützt von einer wunderbaren Ursachenanalyse 5x Warum (so wie wir das ja nun jahrelang gepredigt haben 😉 )

Ja, und da sind wir nun heute immer noch nach bereits 4 Nächten. Der Plan (hihi) wäre gewesen, heute weiter Richtung Norden. Heute aber hat es den ganzen Vormittag ein Gewitter nach dem anderen auf uns zu geschoben, also Beschluss “noch eine Nacht”. Gerade als wir im Marinabüro den doch relativ teuren Liegeplatz für eine weitere nacht bezahlt haben, klärt sich der Himmel, die Sonne strahlt und Reto fragt mich, warum ich auf einmal stinkig bin. Na, zum Glück nicht lange, denn die nächste Front kommt gleich hinterher und schon bald bin ich froh, nicht da draussen sein zu müssen 😉

und weiter geht es in Griechenland

In Kithnos angekommen, stellten wir fest, dass wir eigentlich zu müde waren um im gleichen Rhytmus weiterzustressen. Also haben wir uns einen Ruhetag verordnet. So bin ich dann gemütlich am Morgen zum Einkaufen in dem überschaubaren Mericha unterwegs und möchte gerne Briefmarken und Postkarten kaufen. Diese gibt es nur in der Chora von Kithnos, 7 km entfernt, heisst es.

die Chora in Kithnos, nach einem netten Marsch über die Teerstrasse nach knapp 2 Stunden erreicht
die Chora in Kithnos, nach einem netten Marsch über die Teerstrasse nach knapp 2 Stunden erreicht

Sodann ist der Entschluss gefasst, wir machen eine Wanderung den Berg hinauf in die Chora von Kithnos. Kurzes Maulen von Reto, aber da wir uns ja schon so lange nicht mehr bewegt haben, ist auch er schnell zu überzeugen. Als wir dann meist auf der Teerstrasse bei

ein super Bier und ein super Frappé ;-)
ein super Bier und ein super Frappé 😉

 

Mittagshitze das Tal hinter und den Hügel hinauf laufen, wird der Entscheid kurz hinterfragt, aber schlussendlich freuen wir uns in dem kleinem Dörfchen rumzulaufen und die verdiente Stärkung zu geniessen. So

schöne farbige Häuser in Kithnos Chora
schöne farbige Häuser in Kithnos Chora

macht der Rückweg dann auch wieder Spass. Ach ja, Postkarten und Briefmarken waren auch hier nicht zu finden 😉

 

 

Am nächsten Tag dann der etwas längere Schlag von Kithnos nach Aigina, am Vormittag noch motoren,dann schönes Segeln mit Wind von Süd.

Und ich sage noch “dieser Wetterbericht ist wirklich sensationell gut, es stimmt immer innerhalb von ein paar wenigen Stunden. Dann in der Bucht auf Aigina angekommen habe ich den üblichen Schnorchelcheck vom Anker gemacht, alles gut und mich gedanklich auf einen gemütlichen Abend in der Bucht gefreut.

Als ich mich gerade abdusche sagt Reto “schau mal, ich glaub wir müssen hier weg, hier kommt was auf uns zu”. Kurz danach hatten wir schon kräftigen Wellengang und 20 Knoten Wind und sind also schleunigst Richtung nächsten Hafen geflüchtet.

Dort natürlich keine Chance, alle Segler wurden von diesem Sturm überrascht und so trieben 5 Yachten gleichzeitig in dem Stadthafen von Aigina umher und fanden keinen Platz zum festmachen.

Und die Einfahrt zur vielversprechenden “Marina” direkt nebenan war bei diesem Wetter absolut unbrauchbar, da wären wir direkt auf den Steinen der Mole aufgeschlagen. Also wieder raus, und da ich zum Glück die Segelführer von dem Gebiet schon dreimal gelesen hatte, viel mir auch direkt der nächste Ausweichhafen ein, der war halt wieder 8 Meilen weiter südlich. In der Zwischenzeit war auch das Tageslicht weg und wir sind halt wieder durch dieses komische Flachwassergebiet im Westen von Aigina zurück nach Süden motort, als dann der rechte Motor laut Temperaturalarm schreit. Mist, was ist denn dass nun. Wir schalten ihn ab und segeln erst mal eine Stunde bevor wir es nochmal probieren, nach ein paar Minuten aber kommt der gleiche Alarm. Also weiter bis kurz vor den Fährhafen von Methana und dort wohl vorbereitet mit einem Motor längs angelegt, in einem Versuch sind wird fest und sicher am Pier.

Also erst mal durchgeschnauft und 2 Bier getrunken. Dass uns dann die ganze Nacht der Wind an den Pier gedrückt hat und dementsprechendes “Gegiere” zu ertragen war, war uns dort noch nicht bewusst.

She San im Fährhafen, Geruch neutral dafür Geschaukel vor allem mitten in der Nacht...
She San im Fährhafen, Geruch neutral dafür Geschaukel vor allem mitten in der Nacht…

Am nächsten Tag doch ein wenig erholt ging es also an die Ursachensuche für die Überhitzung des Motors, und schnell war eine komische Schmutzspur rund um den Kühlwasserbehälter gefunden, der Deckel hatte sich wohl irgendwie gelöst und somit Kühlmittel in den ganzen Motorenraum verspritzt.

Methana Yacht Hafen - etwas ruhiger, dafür leichter Schwefelwassergeruch vom Heilbad dahinter
Methana Yacht Hafen – etwas ruhiger, dafür leichter Schwefelwassergeruch vom Heilbad dahinter

Na denn, wir haben leider nur einen Liter Original Yanmar Kühlmittel aus Marmaris mitgenommen, ab in das Städchen Methana und Schiffsausrüster suchen. Nach 15 min waren wir etwas desilusioniert und landeten zumindest bei der Tankstelle, die uns destilliertes Wasser verkaufen konnte. Gemäss Peter hat es “20 Jahre lang mit Wasser funktioniert” also haben wir die fehlende Restmenge mit Wasser ersetzt. Uff, gut dass das so einfach zu lösen war.

DIe nächste Nacht am Pier von Methana war dann leider auch nicht gemütlicher, die Wellen von Nord-Nordost haben gerade so unter dem Pier durchgeschlagen, erst als Reto ein Fläschchen Spülmittel über die Fender geleert hat, hat das Gequietsche abegenommen und uns schlafen lassen.

Perika auf Aigina - schäne Bucht mit vielen Fischern und auch vielen Yachten
Perika auf Aigina – schäne Bucht mit vielen Fischern und auch vielen Yachten

Dafür dann das Segeln und die Ankunft in Perdika auf Aigina wunderschön, ich bin ganz hin und weg von dem Büchtli und den Fischerbooten. Leider reisst unser Anker in einer grösseren Böe aus, beim 2. Versuch angeln wir ein paar alte Mooringleinen und eine Riesekette aus dem Hafenbecken, erst nach dem 3. Versuch liegen wir so sicher, dass wir beruhigt mit Volker und Elke Mittag essen gehen können. Ich kenne Volker aus meiner Nestle Zeit, er arbeitet nun in Athen und hat ein Ferienhaus auf Aigina. Es war ein schönes und gemütliches Treffen.

Und die Nachtruhe an diesem Abend war der Hit, nur gemütliches sanftes Geschaukel, kein Gezerre und Gequietsche mehr. Ach ja, Perdika ist auch etwas überschaubar, und Briefmarken haben wir immer noch nicht gefunden (in Methana hatten wir die Post zwar gefunden, aber diese war am Samstag natürlich geschlossen ;-))

Fahrradtour auf Aigina ermöglicht den Blick über die ganze Bucht
Fahrradtour auf Aigina ermöglicht den Blick über die ganze Bucht

Also am nächsten Tag noch eine Fahrradtour nach Aigina Stadt und auf den südlichsten Hügel, damit wir endlich mal wieder ein paar Höhenmeter machen können.