Archiv der Kategorie: Kiribati

Tarawa und Abaiang in Kiribati und in den Norden nach Majuro, Marshall Inseln

Und immer wieder sind die ersten Momente in einem neuen Land total faszinierend, die Menschen sehen hier in Kiribati wieder komplett anders aus, die Sprache klingt völlig anders.
Boarding Party Tarawa
Die „Boarding Party“ beim Einklarieren in Tarawa, Kiribati
Wracks in Betio
Etwas anders idylisch der Ankerplatz in Betio, Tarawa
Wracks in Betio
schon das ein oder andere Schiff ist hier gestrandet…
Fisch - Trocknungsanlage
Fast wie Bündnerfleisch, Wahoo und Thuna luftgetrocknet 😉
Bairiki
Bairiki Hafen, bei Niedrigwasser guter Dingiy -Landeplatz
Justizministerium
Das Justizministerium von Kiribati 😉
Bairiki Sunset
Bairiki Sunset – fast wie in den Ferien
Betio WW2
Betio war einst Schauplatz blutiger Schlachten zwischen Japanern und Amerikanern…
Betio WW2
…überall liegen die Überreste von Kriegsmaterial rum aber leider auch Unmengen von Plastikmüll…
Betio WW2
und die ein oder andere Kanone steht auch noch rum.
Tane, unsere Waschfee in Bairiki, hilft uns ausserdem den richtigen Minibus in den Osten der Insel zu finden
Kinder Bairiki
…und während wir weg sind passt eine ganze Horde Kinder „auf unser Dinghy auf“

Vormittags um 11 Uhr holt Reto die “Boarding Party” im Hafenbecken ab, Zoll, Polizei, Quarantäne und Biosecurity sind mit dabei.

Vom Zollbeamten lernen wir das erste Wort in Kiribati “Mauri” (Hallo). Sie sind allesamt sehr nett und freuen sich über die Farbkopien unserer Pässe, die ich dummerweise auf dem Tisch liegen gelassen habe…

Da Immigration keine Zeit hatte, müssen wir im Anschluss mit dem Minibus auf die Nachbarinsel Bairiki. Dort werden unsere Pässe gestempelt und wir geben unseren Antrag für den Besuch der auswärtigen Atolle ab.

Dann noch Internet besorgen und der erste Tag im neuen Land ist vorüber… In Wikipedia erfahren wir, dass Tarawa, Kiribati eine Durchschnitts- Temperatur von 30.9 Grad hat, mit einem Minimum von 30.6 Grad und einem Maximum von 31.3 Grad. Na prima, es fühlt sich auch so an, bei einer Luftfeuchtigkeit von 80 % läuft der Schweiss schon morgens um 7 Uhr in Strömen 😉

Mit Diesel bunkern, Blog schreiben, Fisch trocknen, Wäsche waschen und dem ein oder anderen Spaziergang durch Betio und Bairiki vertreiben wir uns die Zeit. Auch gönnen wir uns eine Rundfahrt mit dem Minibus über das Atoll entlang Süd Tarawa.

Nach Wochenende und Feiertag können wir unsere Bewilligung am Dienstag abholen, am nächsten Tag segeln wir nordwärts nach Abaiang. In der Strasse zwischen den beiden Atollen erwischt uns ein grosser Regenguss,

aber diesmal sind wir froh, denn er bringt uns guten Wind, um bei gutem Licht am Pass anzukommen.
Das ist auch gut so, denn mitten im Pass schimmert es schauerlich grün und grau unter uns, kein Wunder, es sind nur 3.5 Meter Wasser unter She San-li’s Kielen.

Squall
Squall bei der Ankunft in Abaiang
traditionelle Häuser
Ganz fasziniert sind wir von den Häusern der I-Kiribati…
traditionelle Häuser
…die komplett aus natürlichen Materialien (Pandanuss und Kokosnuss) gebaut werden…
traditionelle Häuser
… gepflegt mit Zaun und hübschen Blumen umgeben…
…und wir entdecken sogar einen wunderbaren Gemüsegarten, eine wahre Seltenheit hierzulande!
Eine liebeswerte Familie am Strand verwöhnt uns mit den herrlichsten Trinknüssen – wir revanchieren uns mit Tabak für die Männer und Kosmetik für die Frauen

Auf der anderen Seite der Lagune ankern wir vor dem Hauptort und gehen an Land – erster Gang geht zum Polizist, dem wir unsere Bewilligung übergeben.

Beim ersten Spaziergang durchs Dorf sind wir überwältigt, alle Häuser sind aus natürlichen Materialen gebaut, mit Pandanus gedeckt und nur selten ist ein Wellblechdach auf einem öffentlichen Gebäude zu sehen.

Die Familie vor deren Haus wir unser Dinghy festbinden ist sehr freundlich, die Mutter lädt uns ein in ihrem Hüttchen Platz zu nehmen und serviert uns einen Tee.

Am idyllischen Strand davor stört uns jedoch bald die Anzahl an Scherben, verrosteter Konservendosen und ein ziemlich gut zuzuordnender Gestank. Wir verlegen She San weiter in den Süden der Insel.

Beim nächsten Landgang im Süden werden wir wiederum freundlich von der Familie empfangen, vor der wir unsere Dinghy festmachen. Wir müssen uns sofort setzen und werden zu Kokosnüssen eingeladen. Wir schenken dem Vater einen Tabak und der Mutter ein paar Cremes und Seifen, als Dank bekommen wir 6 weitere Nüsse zum mit nach Hause nehmen ;-).
Am Abend möchten wir zurückkommen, nebenan ist Tanz angesagt. Leider giesst es in Strömen und der Tanzabend fällt ins Wasser.

Terau Beach Bungalows
Kaboua und Tinaii betreiben mit ihren Terau Beach Bungalows nachhaltigen Tourismus in Kiribati, wir sind begeistert!

Am zweiten Tag erkunden wir die Insel zu Fuss und treffen auf Tinaii vom Terau Beach Bungalow Resort. Sie verwöhnt uns mit einer Kokosnuss und erzählt uns von Nick, einem Schweizer, der mit seiner Frau Lisa 10 min weiter lebt.

Natürlich sind wir gespannt und gehen grad mal vorbei.
Lisa bittet uns gleich rein, “Nick ist gerade nicht da, aber kommt in 2 Stunden wieder, er holt gerade Besuch aus der Schweiz vom Flughafen ab.”
“Aber da stören wir doch” protestieren wir, “nein, das passt prima, kommt unbedingt” beruhigt uns Lisa.
Lisa und Nick’s Haus auf der geschützten Seite der Lagune…
liegt an einem wunderschönen Stück Strand.

Als wir 2 Stunden später mit dem Dinghy auf das Häuschen mit der Schweizer und der Kiribati Fahne zusteuern winkt uns Nick freudig zu.

“Kömmand ina as isch ghaizt” (kommt rein es ist geheizt) meint er nur und schwupps, sitzen wir im Trubel mit auf dem Balkon. Denn gerade eben sind seine 84 jährige Mutter Anni und ihr Mann Pete aus der Schweiz angekommen, was für eine Reise rund um den Globus!!!

In den nächsten Tagen sitzen wir häufig bei Lisa und Nick auf dem Balkon, schlürfen Kaffee, kaltes Wasser oder Weissbier und geniessen ihre Gastfreundschaft.

Lisa zeigt mir, wie man die Muscheln am Strand sammelt und zubereitet, ich zeige ihr, wie man den Kefir ansetzt und daraus Frischkäse zubereitet (dank Lydia und Anja wunderbarem Kefirpilz!!).

Eines Nachmittags sprechen wir über was ein jeder so zu Weihnachten isst, wir kommen auf das Thema Raclette und Fondue und spontan lädt uns Nick für den nächsten Tag zum Fondue ein.
Fondue Abaiang
Nick’s sagenhaftes Fondue schmeckt uns auch bei circa 30 Grad Celcius wunderbar

Was für ein Fest! Es wird das beste Fondue, das ich jemals gegessen habe und das bei 35 Grad Celsius fast am Äquator.

Zusammen mit meinem knusprigen frisch gebackenem Graubrot und einigen gut gekühlten Flaschen Weisswein schwelgen wir im flüssigen Käse, sensationell!

Aber auch bei Tinaii und Kaboua essen wir zweimal wunderbar, um CHF 3.50 pro Person auch nicht mal ein Luxus, dafür aber super lecker!!

Da die Insel zu gross ist, um alles zu Fuss zu erkunden, leihen wir über Tinaii 2 Fahrräder aus.
Tebunginako,
Das verlassene Dorf Tebunginako, eine Folge vom Klimawandel??
Tebunginako,
Von wegen verlassen – wir fahren durch das Dorf und werden von einer Horde Kinder belagert…
Koinawa
Die Weihnachtsaktivitäten in Koinawa ziehen wahrscheinlich nicht nur die Katholiken an,,,
Koinawa
…denn das Fussball Tournament der Dörfer ist gut besucht…
Koinawa
,,,und die Dorfjugend gröhlt und posiert als ich die Camera zücke 😉

Wir sind zu faul, unsere aus dem Schwimmer auszugraben und am Ende wieder alles zu entsanden.

Trotz dem ein oder anderen Schauer und den für uns eher ungewohnten Rädern mit Rücktrittsbremse schaffen wir es mehr wie 20 km in den Norden der Insel. Mein Ziel ist Tebunginako, die (angeblich?) wegen dem Klimawandel verlassene Stadt.

Auf dem Rückweg bleiben wir in Koinawa stehen, hier trifft sich gerade das ganze Atoll zu den Weihnachts-Festivitäten, heute ist Fussballmatch an der Reihe. In all den grossen Manaebas (Gemeinschafts-häusern) wird campiert und gekocht, die restlichen Dörfer sind alle verlassen.

Als wir einen Wetterslot für die Weiterreise entdecken, sind wir nicht gerade glücklich. Gerne hätten wir noch ein paar Tage hier verbracht. Schweren Herzens nehmen wir von Lisa und Nick Abschied und machen den Schlag zurück nach Tarawa, Diesel bunkern und ausklarieren.

Und wieder brauchen wir den ganzen Vormittag damit Pässe gestempelt und das Zolldokument erstellt ist ;-(. Dann aber hurtig Anker auf und hinter der Oceanna her, die das gleiche Ziel haben. Die Zeit ist knapp bemessen, wir sollen für die 390 Meilen nicht mehr wie 3 Tage brauchen, damit wir am 24.12. ankommen. Ansonsten müssen wir beim Einklarieren USD 270.- für Überzeit bezahlen.

Dann erwischt uns ein Megasquall, ein weisse Gewitterwand schiebt sich über uns drüber. In kürzester Zeit rauschen bis zu 39 Knoten Wind über uns durch, wir reffen und reffen und reffen bis nur noch das 3. Reff im Gross und ein Fuzeli von der Fock rausschaut.

Danach ist natürlich jeweils der Wind weg, aber wer möchte nach so einem Erlebnis gerade wieder ausreffen? Nur viel Zeit zum Rumdümpeln haben wir auch nicht… Also heisst es Segel raus, Segel rein, … bis wir beide müde Arme haben.

She San Teaser
Unser neues selbstgebasteltes „Teaser-li“…
She San Teaser
…sorgt dafür, dass die Fische auf unsere Köder aufmerksam werden
Yellowfin tuna
Und schon wieder beisst ein rechter Brocken, ein 14 kg schwerer Gelbflossenthunfisch…
Yellowfin tuna
…und die Bordfrau hat Freude 🙂

Nach gut 2 Tagen unterwegs beisst am 23.12. ein paar Meilen östlich von Mili beisst ein Fisch an der kleinen Angel, mit Kurbeln geht nichts mehr.

10 Zentimeter weise holen wir die Leine ein, Reto mit dem Handschuh und ich an der Kurbel.

Eine halbe Stunde später liegt ein 14 kg Gelbflossen Thunfisch bei uns im Cockpit, ich bin überglücklich, auch wenn es eine riesige Sauerei gibt. Der Wind bläst das Blut und die dunklen Schuppen überall durchs Cockpit, ich beeile mich, das Viecherl in den Kühlschrank zu bringen…

Danach verzichten wir beide gerne auf das Abendessen, auch schaukelt es gerade viel zu viel.

Um 2 Uhr morgens umrunden wir das Atoll von Majuro, wegen einem Riss einer Naht in der Genua haben wir diese im 5. Reff und segeln aber immer noch gut 5 Knoten.

Majuro
Fischkuttertreffen in Majuro 🙁

Majuro
Unser lauschiges Plätzchen neben den Wracks

Das reicht, um 5 Uhr fahren wir durch den Pass und segeln langsam zum Mooringfeld vor dem Hauptort.

Die einzige freie Mooringboje liegt etwas zu nahe an 2 vor sich hin rostenden Wracks, kein Problem, solange der Wind nicht dreht…

Wir machen uns schlau, was zu tun ist, packen unsere Papiere, fahren mit dem Taxi zum Zoll. Dort heisst es “ Ihr dürft gar nicht hier sein, geht zurück aufs Schiff…” Also wieder zurück mit dem Taxi, der Zollbeamte kommt gleich nach uns an. Mir nehmen ihn mit aufs Schiff, er durchsucht ein paar Schränke, dann eröffnet er uns “Jetzt müsst ihr noch USD 75 Strafe zahlen, weil ihr ohne Erlaubnis an Land seid”. “Was?” entfährt mir ganz entsetzt “aber wir haben doch alles versucht, um es richtig zu machen, nur hatten wir scheinbar eine falsche Information”. “Ok, ihr möchtet also nicht zahlen? Dann halt nicht..” Mir fällt ein Stein vom Herzen, ich bedanke mich mit Tränen in den Augen…

Hauptstrasse Majuro
Stau in Majuro ist keine Seltenheit…
Supermarkt Majuro
…dafür kommt es durchaus vor, dass die Gemüseregale gähnend leer sind
Tanztraining
Die Frauen üben für eine Tanzaufführung

Für uns geht es dann wieder an Land, zurück mit dem Taxi zu Immigration, dann langsam zu Fuss wieder retour. SIM Karte und Datenpacket ist die nächste Prio, Weihnachten steht vor der Tür, da möchten wir auch kommunizieren können. Leider funktioniert es wieder mal nicht, wir verbringen 2 ganze Stunden im Laden bis das I Pad mit dem WIFI verbindet…

Völlig verhungert und verdurstet und natürlich auch hundemüde fallen wir in den nächsten Laden, ein Bier und ein Cassavapudding retten uns.

Bis wir bei She San zurück sind ist es fast 5 Uhr nachmittags, wir sind hundemüde und völlig kaputt. “Jetzt erst mal in Ruhe ein Ankunftsbier trinken” meint Reto. “Ja gleich, ich wasche noch schnell die grünen Blätter, die ich von Don bekommen habe”. Don versorgt hier die Segler mit Grünzeug aus einem Garten für den er voluntiert, an und für sich eine tolle Sache.

Ich bin fast fertig, da beisse ich in ein Blatt und habe unmittelbar einen stechenden Schmerz im Mundraum und Rachen und obwohl ich das Zeug sofort ausspucke, es brennt fürchterlich und fühlt sich an wie ein tauber Klumpen, der nicht mehr zu mir gehört.
Nach anfänglichem Kefir (hatte ich so im Kopf da Milch wohl bei Chili helfen soll) trinke ich einen Liter Wasser und eine Tasse Essig, es brennt immer noch wie blöd. Reto verabreicht mir ein paar Globuli von Apis, dann wird es langsam etwas besser.

Tolle Weihnachten, ich liege völlig zerstört auf der Couch. Erst zwei Stunden später rapple ich mich auf, nimm eine Dusche und versuche vorsichtig ein Bier zu geniessen, es geht einigermassen.

Weihnacht an Bord
Heiligabend: der treue Baum bringt ein klein wenig Weihnachtsstimmung, zum Essen gibt es reichlich frischen Thuna…
Weihnacht an Bord
und zum Desserli schlemmen wir von Gaby und Markus‘ Mitbringseln 🙂

Nach einer weiteren Flasche Bier serviere ich unser Weihnachtsdinner, endlich gibt es den Thunfisch, den wir tags zuvor gefangen haben ;-).

Segler Weihnacht
Am 25. feiern wir mit 30 anderen Seglern, der Tisch biegt sich vor lauter Leckereien

Am 25. Dezember organisiert die Seglergemeinschaft ein wunderbares Weihnachts – Potluck (“Topf-Glück” – ein jeder bringt einen Topf zu essen), es gibt reichlich feines Essen, natürlich darf ein Truthahn dabei nicht fehlen.

Segelreperatur
Am ersten Tag im Hafen wird erst mal die Fock generalüberholt

Die kommenden Tage muss erst mal die Naht in der Fock repariert werden und weil sie schon mal unten ist repariert Reto auch noch viele andere Nähte und Scheuerstellen.

Unzählige Male laufen wir die Inselstrasse entlang, um die Bewilligungen für den Besuch der äusseren Inseln zu ergattern. Es zieht sich, aber so ist das halt hier.

Am Silvesterabend ist Block Party angesagt, die Strasse wird gesperrt, Stände aufgestellt, Schweine, Huhn und Lammspiesschen grilliert und an jedem Ende spielt eine Band irgendwelche “Trullala- Musik” sagt Reto. Die Seglergemeinschaft trifft sich vor dem Formosa Supermarkt ein, wo nicht nur das beste Hühnchen grilliert wird, sondern auch regelmässig 1.50 m grosse Plüschfiguren in schwarz und orange auftauchen und vor uns tanzen.

Wir sind wohl alle zu alt, um die Figürchen zu identifizieren, aber doch wohl betrunken genug, dass es Spass macht zuzusehen…

Um 10 nach 12 fällt jemand in unserer Runde auf, dass sich alle rundherum umarmen, es scheint Neujahr zu sein! Also ein gutes Neues!

Am Wochenende vom 5,/6. Januar hält ein Tief südöstlich von Majuro die Segler in Atem.
tropical depression TW 01
Die prognostizierte Zugbahn geht direkt über uns
tropical depression TW 01
Ein kleiner Zyklon entsteht…
tropical depression TW 01
…wird grösser, löst sich dann aber zum Glück wieder auf

Die Tropical Depression TW 01 bildet sich und verspricht Winde aus West bis zu 60 Knoten.

Das könnte durchaus unangenehm werden, also prüfen wir unsere Mooring, verstärken die Festmacher und erkunden uns über den Schutz auf der anderen Seite der Insel.

Zum Glück bleibt das Zentrum südlich von uns und löst sich wieder auf, anstatt stärker zu werden. Immerhin, es bringt einen Haufen Regen, die Wassertanks werden wieder gefüllt.

DC3
Beim Freediving in Anemonet begutachten wir die DC3…
DC3
…etwas gemächlicher tags darauf mit der Tauchausrüstung
DC3
…nur keine Korallen kaputt machen heisst die Devise
nach dem Tauchen gemütliches Relaxen in der (leider nicht bewirteten) Bar
selbstgebrautes Weissbier
Dafür schmeckt der Foxy Lady Crew mein selbstgemachtes Weissbier anschliessend umso besser…

Als die wichtigsten Arbeiten erledigt und die wichtigsten Teile bestellt sind gehen wir daran die Wracks der Gegend zu erschnorcheln und zu ertauchen. Hier liegt so allerlei interessantes im Wasser und die Sicht ist für eine Lagune erstaunlich gut.

Nach 3 Wochen fehlt uns immer noch eine Bewilligung für den Besuch der nächsten Insel im Norden. Die Organisation der dafür zuständigen Behörde ist für uns immer wieder erstaunlich, aber ausser schmunzeln und abwarten bleibt uns fast nichts anders übrig, also geniessen wir die zeit und machen das beste daraus… 🙂

 

Über Savusavu in den Norden nach Tuvalu und Kiribati

Wir bringen Gaby und Markus zum Flughafen und plötzlich sind wir wieder alleine. Nach den 4 Wochen Besuch an Bord von ihnen und vorher Maren ist unser She San-li wieder richtig leer.

Aber es gibt genug zu tun, also keine Zeit um lange Trübsal zu blasen.
Port Denerau Marina
She San-li bekommt eine Handwäsche
Gefiederter Gast

Wir verlegen uns sogar noch für eine Nacht an den Steg, um unser Schifflein noch einmal richtig zu waschen und zu pflegen, denn die nächste Zeit wird es das nicht mehr geben.

Dann geht es los in Richtung Nordost, in 3 kurzen Segeltagen hüpfen wir durch die Kanäle in den Riffen bis an die Nordost Ecke von Viti Levu.

Wir segeln zwar meist hart am Wind, aber absolut ohne Welle, es fühlt sich an wie auf Schienen.

Nur müssen wir ordentlich aufpassen, denn die Riffe sind nur bei gutem Licht und Niedrigwasser gut sichtbar.

Da die nächsten Tage ein grösseres Tief über Fidschi erwartet wird, entschliessen wir uns die Passage nach Savusavu trotz der angesagten 25 Knoten Wind in Angriff zu nehmen. Wir sind gut vorbereitet, gehen morgens um 6 Uhr Anker auf, um 8 Uhr sind wir draussen aus den Riffen und es schüttelt ganz ordentlich, dafür sind wir schnell.

Mittags um 1 Uhr nehmen wir die Segel kurz runter, wir fahren unter Motor durch die Nasonisoni Passage.
Savusavu
Und schon wieder regnet es in Strömen bei der Ankunft in Savusavu…
Copra Shed Marina
Willkommens – Sunday BBQ in der Copra Shed Marina

Hier heisst es acht geben, so dass ich auf dem Mast im Ausguck stehe. Mitten im Pass kommt uns eine weisse Regenwand entgegen, zum Glück habe ich die Sonnenbrille noch als Augenschutz und wohlweisslich schon mal die Schwerwetter-Kleidung aus dem Schrank ausgegraben.

Nach 10 Stunden und 72 Meilen machen wir in Savusavu an der Mooring fest, wir sind froh da zu sein, jetzt kann kommen was will.

Savusavu
Savusavu Hauptplatz und Busstation, hier ist immer was los…
Savusavu
Blick runter auf die paar wenigen Yachten, die noch hier sind
Chicken Curry
Bei einem unserer Lieblings-Inder , das Hühnchencurry um CHF 4.25 ist einfach sensationell!!
Pineapple season
Ananas sind wohl grad in Saison, und es sind wohl die besten, die wir je gegessen haben!!!
Grüne Papaya finden wir auf einer unserer Wanderungen…
Und das wäre dann die Ausbeute des letzten Wandertages
aber die Körbe und Netze mache ich mit 2 Gängen auf den Markt voll. denn so einfach, gut und günstig wird es wohl erst wieder in Vanuatu in 6 Monaten…
…das zu schnell gereifte Obst muss ich halt trocknen für knappere Zeiten
Waitui Marina Sunset
Der letzte Abend in Fidschi – wir geniessen den Sonnenuntergang in der Waitui Marina

In den nächsten Tagen regnet es dementsprechend, dazwischen erledigen wir die letzten Besorgungen.

Dann heisst es warten auf das richtige Wetterfenster und wir geniessen die letzten 4 Tage mit je einer ausführlichen Wanderung über die Hügel hinter Savusavu. Für die nächste Zeit werden das die letzten Höhenmeter sein, also müssen wir es nochmal geniessen.

Auch geniessen wir wieder die indischen Curry, nur leider ist das Restaurant von der Waitui Marina in die Stadt umgezogen und das neue hat kein indisches Essen und ist abends geschlossen…

Kurz vor Abfahrt heisst es dann nochmal Frischwaren bunkern was geht, denn frisches Obst und Gemüse ist in der nächsten Zeit eher rar.

Am Dienstag, den 20.11. machen wir nach 5 1/2 Monaten in Fidschi die Leinen los, es war der Traum hier! Aber die Zyklon Saison ist schon mehr wie nah, also schnell weg hier.
Squall
Und los gehts, bis auf den ein oder anderen Squall ist es ein sehr schönes und ruhiges Segeln…
Niulakita Tuvalu
Dicht am Weg liegt Niulakita, leider dürfen wir hier noch nicht stoppen…
Flagge Tuvalu
…denn erst müssen wir einklarieren…
Funafuti Wharf
… in Funafuti…
Fischereiflotte
Sicher 15 riesige Fischfangschiffe liegen hier vor Anker, nicht wenige mit Helikopter zum effizienteren Ausspähen der wohl bald letzten Fisch – Schwärme, wenn sie so weitermachen…
Ankerplatz Funafuti
Anfahrt auf den Ankerplatz

Wir haben ein super schönes Wetterfenster, es geht los mit leichtem Wind aus Süd, gerade gut, dass wir von Savusavu aus in Richtung Osten bis nach Taveuni segeln können. Hinter der Insel dreht der Wind dann auf Südost und wir segeln weiter nach Nord, Funafuti in Tuvalu heisst das Ziel.

Der Wind ist aus der richtigen Richtung, die Welle ist angenehm, am zweiten Morgen setzten wir den Parasailor und gleiten dahin.

Auf den Nachtwachen begleitet uns der Vollmond, es ist einfach ein Traum. Wir können fast alles segeln, nur in der letzten Nacht müssen wir nochmal für ein paar Stunden den Motor mithelfen lassen. Nach 4.5 Tagen und 557 Meilen kommen wir am Samstag nachmittag in Funafuti an.

Foxy Lady und Moki sind schon da, wir feiern das Wiedersehen mit einem Willkommens – Trunk auf der Foxy Lady.

Am Montag Morgen beginnt der Behördenlauf durch Funafuti.
Hauptstrasse Funafuti
Typisches Strassenbild in Funafuti, ein jeder ist mit Roller oder Moped unterwegs
Funafuti Parlament
Hier hat tagsüber das Parlament von Tuvalu getagt
Panzer
Unser erster Panzer, ich bin beeindruckt!
Die Gräber werden in eigenen separaten Häuschen im eigenen Garten untergebracht. Die Grabkultur erinnert an Niue und Tonga
pre school Funafuti
Im Kindergarten herrscht strenger Dresscode 😉
fuel station Funafuti
Tankstelle in Funafuti
Der Begriff „Site safety“ ist zumindest auf die Tafel geschrieben 😉
Ein vergorenes Getränk aus der Kokospalme, wir sind gespannt, haben es aber noch nicht probiert 😉

Eigentlich ist es mehr wie ein belebteres Dorf, auf dem Atoll Funafuti alleine leben die Hälfte der ca. 12000 Einwohner von Tuvalu. Wir finden es sofort sympathisch, alles sieht gepflegt aus, die Leute grüssen alle recht freundlich, wir fühlen uns gleich wohl.

Nach dem ersten Stop im Government Gebäude für Immigration und Biosecurity müssen wir weiter ins Krankenhaus, dort ist das Büro vom “Health” Officer.

Dann noch weitere 20 Minuten Fussmarsch bis zum grossen Pier, denn dort ist Customs.

Am Rückweg besuchen wir noch das City Council, falls wir hier woanders ankern möchten, müssen wir hier erst noch eine Genehmigung einholen (und zahlen).

Nachmittags um 2 Uhr sind wir wieder zurück, hungrig und mit Blasen an den Füssen…

Zwei Sachen haben wir von Funafuti bisher gehört – es sei voller Müll überall und die Flugzeuglandebahn, die mitten durchs Dorf geht, ist eine Schau.
Tuvalu rubbish truck
Der Fahrer vom Müll Laster grüsst freundlich 😉
…und hier scheint jemand auch an Sicherheit und Wiederverwendung von Dosen gedacht zu haben
Compostierung und Gemüseanbau scheint hier gut zu funktionieren, man kann Gemüse kaufen beim Taiwanesischen Garten

Der Punkt mit dem Müll ist zumindest im Dorf recht gut unter Kontrolle, wir finden es sieht sauber aus.

Einheimische erzählen uns, dass auch regelmässig Clean Up Tage stattfinden, da wird dann nicht gearbeitet, sondern der Müll aufgesammelt.

Funafuti airfield
Hektik am Pistenrand, die Hunde werden vom Kontrollfahrzeug von der Piste verscheucht…
Funafuti airfield
…und kurz darauf fliegt die Maschine der Air Kiribati ein
Abends nützen wir den Airstrip zum Sitzen…
trade fair Funafuti
…während das beste Kleid aus Plastikmüll gekürt wird…
trade fair Funafuti
…auch wenn die Plastikbecher und Säcke wahrscheinlich noch nicht gebraucht waren…

Und das mit der Landebahn ist tatsächlich ein Erlebnis.

Am Nachmittag wird die Piste benützt zum Fussball spielen, am Abend zum Picknick, in der Nacht zum drauf schlafen.

Vor allem lustig findet Reto, dass viele Leute sich auf die weisse Mittellinie setzten, als wie wenn es dort weicher wäre oder so.

Wir lernen Neta und Wini kennen und gehen mit ihnen und ihrer Mutter und Schwester zur Trade Fair. Neta’s Mutter hat eine Matte dabei, auf dieser setzen wir uns dann alle auf die Landebahn. Irgendwie ist es total lustig, aber auch super unbequem. Na ja, wie es halt so ist, wenn man auf dem Asphalt sitzt, da hilft auch die Matte nicht viel…

Die Trade Fair an diesem Abend hat einen Wettbewerb, wer das schönste Kleid aus Müll trägt. Meine Erwartungen sind gross. Als ich dann sehe, dass es eher Plastikmüll ist, der gleich nach der Show aus den Kleidern entsteht, hinterfrage ich etwas den Umweltgedanken des Ganzen… Aber vielleicht habe ich auch aufgrund meinem fehlenden Verständnis von Tuvalu auch irgendetwas missverstanden?

meteo station Funafuti
In der Meteo station holen wir uns die Bestätigung, dass das Wetterfenster gut sein soll…
Abschied von Neta, so schade, dass wir nur so kurz da waren!!

Dann sehen wir ein “Wetterfenster” sich auftun und entschliessen uns am Mittwoch schon wieder auszuklarieren, diesmal nur bei Immigration und Customs.

Am Donnerstag früh geht es los weiter in Richtung Norden, das Atoll Tarawa in Kiribati (gesprochen Kiribas) ist das nächste Ziel.

Schade eigentlich, denn einige Atolle würden auf dem Weg liegen, doch dürfen Segler nur in Tarawa einklarieren und ausdrücklich vorher nicht stoppen…

Unser Wetterfenster sieht so aus, dass wir die ersten drei Tage auf einem kleinen Tief surfen, das von Ost nach West über uns hinwegzieht. Am ersten Tag ist herrliche Sonne, genügend Wind und nachts nur wenig Regenzellen.

Kurz vor dem Mittag besuchen uns Delphine, eine riesige Schar, es müssen hunderte sein. Nach einer Stunde kommt ein zweiter Schwarm von Norden her auf uns zu, sie springen alle aufgeregt aus dem Wasser, es ist unglaublich. Es geht eine weitere Stunde, dann sind sie auf einmal weg, ein herrliches Erlebnis!

Schaut hier den Film der daraus entstanden ist und freut euch mit uns und den Delphinen 😉

Am zweiten Tag verfinstert sich der Himmel, 2 Tage lang ist es diesig, regnerisch und nachts blitzt es nur so um uns herum, wir sind ständig auf der Hut.

Danach sollte ein bis zwei Tage weniger Wind sein, und dann wieder mehr. In der 4. Nacht möchte ich gerade meine Wache übernehmen, da holt Reto die Segel rein und beschliesst, dass wir jetzt schlafen gehen. Es ist absolut kein Wind vorhanden. Herrlich, am Morgen sind wir beide ausgeschlafen und erholt und bald kommt auch schon wieder ein wenig Wind, so dass wir (zumindest langsam) vorwärts kommen.

Doch der Wetterbericht ändert täglich seine Meinung und leider nicht zu unseren Gunsten…
Dazu kommt eine Strömung, die uns Richtung Osten versetzt, teilweise sind es bis zu 2.5 Knoten.

Äquatorüberschreitung
Kurz vor dem Äquator, das Meer ist spiegelglatt (im wahrsten Sinne des Wortes) !!!
Äquatorüberschreitung
…aber Achtung, in so einen Wasserhosen Turm möchten wir dann auch nicht reingeraten, auch wenn es sehr hübsch aussieht

Am Mittwoch Morgen nach 6 Tagen unterwegs stellen wir uns die Frage ob wir lieber die nächsten Tage auf Wind warten und dabei am Tag 50 bis 60 Meilen nach Ost driften oder ob wir die letzten beiden Tage unter Motor auf Tarawa zufahren.

Nachdem die erste Option auch nicht sehr schlau ist entschliessen wir uns mit knirschenden Zähnen für das Motoren.

Immerhin ist es ruhig und entspannt auf hoher See, ich geniesse die Zeit zum lesen, für tägliche Fitnessübungen und putze Ecken, für die schon lange keine Zeit mehr war.
Reto kümmert sich um seine technischen Spielzeuge und baut mir endlich einen “Teaser” aus Holz, damit wir bessere Erfolge beim Fischen verzeichnen. Dann beisst nach einem ersten auch noch ein zweiter kleiner Thunfisch, das gibt auch immer was zu tun.

Unser erstes Äquatorcrossing von Süd nach Nord 😉
und ich verpasse es, den Event mit dem I Pad festzuhalten und schaffe das Bild erst bei 0 Grad 00,004 Nord …

Am Mittwoch Abend um 19 Uhr nähern wir uns dem Äquator zum 2. Mal. Gespannt sitze ich innen und Reto draussen, wir möchten das Überschreiten festhalten. Anstatt dass das I Pad jedoch im wichtigen Moment einen Print Screen macht, schlägt es mir vor “Ausschalten” – ich hatte die Ausschalttaste wohl etwas zu lange gedrückt gehalten…

Kurz danach “feiern” wir die Überschreitung, es gibt einen ordentlichen Schluck Tequila für Neptun und für Reto.

Am Donnerstag nachmittag, nach 7.5 Tagen sind wir wenige 100 Meter vom Aussenriff von Tarawa entfernt. Ich bin gerade auf dem Weg in den Ausguck, das rauscht eine der Angeln aus. Nervös springen wir beide gleichzeitig zur Stelle, schnell hole ich Eimer, Messer, Gaff, Alkohol.

“Nein, schon wieder ein Barrakuda” nervt sich Reto, “und noch dazu ein grosser”. Schon auf dem Weg nach Funafuti hatten wir 2 Barakudas, die er dann beide wieder freigelassen hat, weil wir zu nahe am Riff waren und die Fischvergiftung Ciguatera fürchteten…

Ich springe kurz zurück zum Steuerstand, schau, dass wir nicht aufs Riff auflaufen und bringe ihm die Bauhandschuhe, denn die Burschen haben recht spitzige Zähne. Ein paar Sekunden später ruft er aber schon “Juhuu, es ist doch ein Wahoo!!”
Wahoo
Unser erster grosser Wahoo darf ja nicht entwischen…
Wahoo
…kurz darauf ist er sicher platziert im Cockpit und ich mach mich sofort ans Zerlegen…

Wie geil, wir hatten noch nie einen richtigen Wahoo (nur mal so ‘nen kleinen, der also gar nicht richtig zählt), nur jetzt keinen Fehler machen.

Ein paar weitere Sekunden später liegt der arme Kerl mit durchgeschnittener Kehle auf unserer Treppe und wird von Reto fest festgehalten.

Während Reto She San-li durch den Pass bis nach Betio (gesprochen Beso) in Tarawa, Kiribati (gesprochen Kiribas) lenkt, bin ich eifrig am Fisch zerlegen, damit der Bursche so schnell wie möglich in den Kühlschrank wandert. Zum Glück ist die Einfahrt kein Problem und wir fahren gut eine Stunde vor Sonnenuntergang ein.

In Betio Hafen liegen bereits Foxy Lady und Free Spirit, wir geniessen den Abend mit Fisch vom Grill, Bier und Wein und fallen dann doch irgendwann tot müde ins Bett.