Blick auf die SHE SAN in der Bucht von Telaga

Der Wahnsinn geht weiter oder die Schweizer Botschaft – dein Freund und Helfer?

Im nicht enden wollenden Lockdown in der Telaga Bucht, Langkawi

Jetzt sind wir insgesamt 3 Monate am gleichen Ort, hier in der Bucht von Telaga. Ein paar Mal haben wir überlegt, ob sich ein Tapetenwechsel lohnt, seit 2 Wochen dürften wir uns immerhin mit dem Schiff im Bereich Langkawi bewegen. Da die Alternativen im wesentlichen das schlammige Becken in Kuah oder eine unbewohnte Insel sind, haben wir es vorgezogen hier stehen zu bleiben.

Fischerboote am Strand "Pantai Kok" in Telaga
Fischerboote am Strand „Pantai Kok“ in Telaga

Der Blick auf die Berge, die Adler, die neben uns fischen, die Delphine, die jede Woche mal vorbeischauen, die 10 Otter die ich beim Joggen am Strand Pantai Kok immer wieder mal treffe und die Hundefamilie tragen viel dazu bei, dass ich mich an einem speziellen Ort fühle.

Two eagles circling on top of us
Immer wieder umkreisen Adler die Brucht von Telaga und fischen neben der SHE SAN

Zu den Seeottern: am Ende des Strandes nahe dem Hotel treffe ich zum ersten Mal auf a zehn dieser mir bisher unbekannten Tiere. Ich erschrecke riesig und denke es sind Tiere ähnlich dem Sid in Ice Age (das ist natürlich falsch, denn das wären Faultiere). Sie starren mich an und ich starre sie an. Sie sind zu zehnt und ich weit und breit der einzige Mensch am Strand. Daraufhin „flüchten“ sie ins Wasser, ich mache auf dem Absatz kehrt und laufe zurück.

Seeotter am Strand von Pantai Kok
Seeotter am Strand von Pantai Kok (Foto aus Facebook)

Beim nächsten Mal treffe ich sie beim Baden im Meer und beobachte sie eine ganze Weile, wie sie sich vergnügt in den Wellen tummeln.

Seeotter spielen im Wasser (Foto aus Facebook)
Seeotter spielen im Wasser (Foto aus Facebook)

Fahrradfahren zum Spass und zum Einkaufen

Auch dürfen wir mittlerweile zum Spass Fahrradfahren, was wir nun auch schon dreimal ausgenützt haben, gleichzeitig Einkaufen macht dabei logistisch Sinn. Beim ersten Mal fahren wir neugierig nach Cenang, dort wo die ganzen Hotel und Restaurants sind. Aber es ist eine Geisterstadt. Alles ist zu.

Zum einen wegen der Movement Control Order und zum Zweiten wegen des Ramadans. Auf der ganzen langen Strandpromenade treffen wir auf weniger wie 10 Menschen. Die Hotels stehen alle leer, die die gerade noch gebaut wurden, sind jetzt wahrscheinlich die nächsten Ruinen des Strandes.

Pantai Cenang - der Strand von Cenang - menschenleer wie seit Jahrzehnten nicht mehr
Pantai Cenang – der Strand von Cenang – menschenleer wie seit Jahrzehnten nicht mehr
Eines der vielen sich im Bau befindlichen Hotels - in Zukunft Bauruine?
Eines der vielen sich im Bau befindlichen Hotels – in Zukunft Bauruine?
Fischerboote in Cenang
Fischerboote in Cenang

Am letzten Feiertag des Ramadans machen wir eine Runde durch den Norden, die Strasse ist anfangs so gut wie unbefahren, so macht das Biken Spass. In der Ortschaft Padang Lalang finden wir zum ersten Mal seit 4 Wochen einen offenen Essenstand, es ist Montag, der 25. Mai, der Ramadan ist vorüber. Es gibt eine Vielzahl von knochenhaltigen Gerichten, deren Inhalte ich nicht zuordnen kann, daher gibt es für uns knuspriges Hühnchen und Nudeln auf Reis, leider ohne Gemüse.

Reisfelder in Matsirat
Reisfelder in Matsirat – man beachte den Schmetterling, der von links ins Bild fliegt 😉
Kühe grasen in den Reisfeldern von Matsirat - ist das effizient, frage ich mich?
Kühe grasen in den Reisfeldern von Matsirat – ist das effizient, frage ich mich?
Typischer Einkauf mit dem Fahrrad
Typischer Einkauf mit dem Fahrrad

Die Optionen werden weniger

Beim nächsten Orientierungshalt wirft Reto einen Blick in die Emails und ist erschüttert. Unsere Anfrage an die Schweizer Botschaft, sie möchten uns doch bitte einen Brief für die Visaverlängerung in Malaysien ausstellen, wurde harsch abgelehnt. Sie schreiben keine Briefe, alle Schweizer haben zurück in die Schweiz zu fliegen, alle anderen Schweizer unterwegs mit dem Schiff hätten dies bereits getan. Unser Hinweis, dass unsere Holländischen Freunde mit der Unterstützung die wahrscheinlich rettenden 2 Monate Verlängerung bekommen haben, ist ihnen gleich. Wahrscheinlich bedeutet es für sie Arbeit, wenn sie uns hier am Hals haben.

Zurück am Schiff durchforsten wir nochmal das Internet auf Nachrichten nach eventuellen Grenzöffnungen in den umliegenden Ländern, es ist kein Land in Sicht. Unvorstellbar. Malaysien hat Stand 28.5.2020 115 Tote auf 32 Mio. Einwohner und Thailand 57 Tote auf 70 Mio Einwohner – dafür haben die Menschen vieler Orts nichts mehr zu essen, weil ihre Einnahmequelle weg ist.

Am gleichen Nachmittag eröffnet uns Care Concept, dass Reto ab August nicht mehr weiter versichert wird. Ob der Grund hierfür die anstehende Operation seiner mit Morbus Duptryen verkrummten Finger ist oder sein mit 54 Jahren fortgeschrittenes Alter sagen sie uns hierbei nicht. Wir sind noch mehr frustriert und diskutieren wieder ein Mal die Optionen.

Option 1: nach Afrika

So schnell wie möglich nach Tansania segeln (gut 4000 Meilen nonstop über den Indischen Ozean) klingt reizvoll aber vorher müssen wir noch 2 heikle technische Punkte an der SHE SAN in Ordnung bringen, und die Materialbeschaffung während dem Lockdown war bisher nicht möglich.

Die Edelstahlverpressung von unserem nicht mal 5 jahre altem Vorstag weist Lochfrass und einen Riss auf
Die Edelstahlverpressung von unserem nicht mal 5 Jahre altem Vorstag weist Lochfrass und einen Riss auf

Option 2: abwarten und verstecken

Abwarten und wenn nötig ausklarieren und irgendwo verstecken, bis ein anderes Land die Grenzen öffnet

Option 3: Flucht in die Schweiz

Die dritte Option ist die SHE SAN schleunigst in eine Marina stellen und einen One Way Flug in die Schweiz buchen, ohne zu wissen, wann wir sie wieder sehen. Auch nicht gerade prickelnd…

Wir sind von keiner der Varianten begeistert und ringen mit uns. Schliesslich steht fest, ok, wir buchen. Wir überlegen uns lieber einen teureren, dafür umbuchbaren Retourflug zu suchen, doch das geht nicht. Es gibt zur Zeit keine Retourflüge! Natürlich kostet dieser One Way Flug deswegen auch soviel wie bisher ein Retourflug. Sie müssen ja den einen Weg leer fliegen, also logisch… Zähneknirschend machen wir die Buchung fertig, bezahlen und sehen uns traurig an. Das ist uns jetzt auch noch nie passiert, normal sollten wir uns doch freuen.

Sonnenuntergang in Telaga
Sonnenuntergang in Telaga

Doch dann skypen wir mit Felicitas, der Mama von Reto. Reto fragt sie “was machst Du am 22. Juni am Nachmittag um 14 Uhr?” Sie macht grosse Augen und fragt “Warum?” “Kannst uns in Landquart am Bahnhof abholen? fragt Reto weiter und Felicitas strahlt über beide Ohren, so haben wir sie schon seit Monaten nicht mehr gesehen. Nach dem Telefonat ist uns endlich klar, dass alles seinen Sinn hat. 😉

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