Vom Kanal von Korinth bis ins ionische Meer

Wie geht es also weiter in Griechenland? Die nächsten Stationen sind irgendwie schon ziemlich vorgegeben, denn wir möchten als nächstes durch den Kanal von Korinth und anschliessend natürlich durch den Golf von Korinth und den Golf von Patras bis ins Ionische Meer.

Der Kanal von Korinth

Also machen wir uns auf von Perdika und hissen schon nach der kleinen Insel Moni die Segel,

Eines der vielen Frachtschiffe vor der Raffinerie nahe dem Korinthkanal
Eines der vielen Frachtschiffe vor der Raffinerie nahe dem Korinthkanal

aber nach einer halben Stunde von 5 Beaufort auf die Nase ist wieder alles flach und wir motoren nach Norden, nur die letzten 2 Stunden dürfen wir noch gemütlich auf das Frachterfeld vor der Raffinerie zufahren.

Sonnenaufgang an der Kanaleinfahrt
Sonnenaufgang an der Kanaleinfahrt

Am nächsten Morgen um Punkt 7 Uhr ruf ich den Kanal per Funk an und wir dürfen sofort zahlen und danach auch sofort durch den Kanal brausen.

östliche Einfahrt Kanal von Korinth
östliche Einfahrt Kanal von Korinth
Kanal von Korinth
Kanal von Korinth
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Danach empfangen uns flotte 5 Beaufort und wir brausen mit 9 Knoten/Stunde Richtung Nordwest. Leider war das ganze wieder mal nicht anhaltend, also ab Mittag wieder motoren.

Zum Glück kommen immer wieder Delphine und muntern uns auf.

Delphine - diesmal 4 gleichzeitig (habe ich natürlich nicht alle aufs Foto gebracht ;-)
Delphine – diesmal 4 gleichzeitig (habe ich natürlich nicht alle aufs Foto gebracht 😉

Trizonia

Gerade als wir in Trizonia beim Hafenmanöver mit etwas Gegenwind kämpfen, bekommt der rechte Motor wieder Überhitzungsalarm. Prima. Aber auch darüber regen wir uns langsam schon weniger auf…

So schreiben wir am nächsten Tag erst mal ein Mail an den Yanmar Vertreter unseres Vertrauens und gehen eine Runde wandern. Dann werden die Kühlwasser-füllstände kontrolliert, die Leckage-möglichkeiten eroiert, alle Motorenwartungsheftchen studiert, ect. Irgendwie schwant uns, dass das Thema uns noch länger beschäftigen wird.

Einfahrt und Bucht von Trizonia
Einfahrt und Bucht von Trizonia
die "Marina" in Trizonia - wir wurden zwar registriert, aber der Liegeplatz war gratis ;-)
die „Marina“ in Trizonia – wir wurden zwar registriert, aber der Liegeplatz war gratis 😉
Trizonia "Hafenmeile"
Trizonia „Hafenmeile“

Aber zunächst geht es mal weiter in Richtung Westen, unter der grössten Hängebrücke der Welt durch, die ca. 2.5 km lang ist und schon von weitem her sichtbar. Auch Yachten müssen sich hier per Funk anmelden und werden auf den Durchfahrtskanal hindirigiert. Bei uns war zum Glück gerade gar nichts los, aber trotz wenig Verkehr und wenig Wind war die Durchfahrt spannend.

mit 2.5 km die längste Hängebrücke der Welt
mit 2.5 km die längste Hängebrücke der Welt
es war nicht wirklich knapp aber trotzdem spannend
es war nicht wirklich knapp aber trotzdem spannend
die Häuser auf Stelzen an der Einfahrt vom Kanal von Mesolongion
die Häuser auf Stelzen an der Einfahrt vom Kanal von Mesolongion
on the way out it is the lady's turn to steer - just stay close to the track on the chartplotter ;-)
beim Rausfahren ist nun mal die Frau an der Reihe. Man kann nix verkehrt machen, man muss nur dem Track auf dem Chartplotter nachfahren

Nach einem kurzen Stückchen Segeln motoren wir bis nach Mesolongion, ein ganz nettes Städchen mit einem “interessanten” Zufahrtskanal von 2.5 Meilen, wo man nie genau weiss, ob man auf Sand aufläuft. Jedenfalls hatten wir schon mit 2 Yachten über diese Einfahrt gesprochen und beide sind sie aufgelaufen…wir aber nicht hähä.

Am nächsten Morgen um 8 Uhr geht es endlich weiter ins Ionische Meer, allerdings fast alles wieder unter Motor, da kaum ein Lüftchen zu sehen.

Bonito 1 und 2
Bonito 1 und 2

Als wir nun an den ersten Ionischen Inseln vorbeifahren, fällt uns schon auf, dass einiges an Aktivität im und auf dem Wasser istund tatsächlich beisst schon bald der erste kleine Bonito an unsere Schleppangel.  Juhuii!! Das ist seit vielen Jahren (2011) der erste Fisch, der sich an unsere Schleppangel verirrt.

Aber kaum hat es sich Reto vorne auf dem Netzli bequem gemacht und ich mich in der Küche an die Verarbeitung des Fisches gemacht, schon surrt die Angel ein zweites Mal und ein zweiter kleiner Bonito (etwas grösser als der erste immerhin) landet an Bord.
Damit sie nicht so zappeln während Reto ihnen gekonnt das Messer an den Hals setzt, bekommen sie immer einen Schluck Schnaps in die Kiemen, ein hilfreicher Trick, den wir mal bei ein paar Seglern gelesen hatten. Nun ist der Schnaps fast alle.

und unser erster (kleiner) Schwertfisch
und unser erster (kleiner) Schwertfisch

Aber gerade eben als Reto wieder auf dem Netzli vorne liegt, surrt es schon wieder und diesmal ist es etwas grösseres. Oh weh, sage ich, ich glaube wir haben einen Vogel gefangen. Die kreisen immer ganz interessiert über unserem Köder und meinen es sei eine Beute für sie. Aber nein, als er näher dran ist sehen wir es: es ist ein kleiner Schwertfisch, wow!! Und wie der Zufall es wollte, hatten wir gerade kurz vorher den Fall durchgesprochen, was den zu tun ist, wenn mal ein grösserer Fisch kommt, den ich vielleicht nicht mehr so einfach mit den Händen festhalten kann. Also Schlaufe rum um die Angelrute und als er da ist hab ich ihn wunderbar fest an der Leine um die Schwanzflosse rum gesichert. Das war auch wichtig, bei diesem Kandidat, denn sein Schwertchen hätte uns ganz schön verletzen können.

die Köchin hat Freude, nur als ganzer geht der nicht in den Kühlschrank ;-)
die Köchin hat Freude, nur als ganzer geht der nicht in den Kühlschrank 😉

2 weitere Bisse blieben (fast schon zu Glück) ohne Erfolg, aber ich hatte ja eh schon genug zu tun 😉 und genug frischen Fisch für die nächsten Tage.

Thon- und Schwertfisch-Sushi Nummer 1
Thon- und Schwertfisch-Sushi Nummer 1

Und wieder mal hatten wir unterschätzt, dass wir in einer Chartergegend sind. So klappte es erst in der 3. Bucht ein Plätzchen zu finden, das hiess um 8 Uhr abends fest vor Anker in Vathy auf Nisos Ithaki. Uff, das war ein langer und ereignisreicher Tag!

eines von vielen Schwertfisch-Carpaccios ;-)
eines von vielen Schwertfisch-Carpaccios 😉

Um Haaresbreite das Schiff verloren

Und ereignisreich sollte es dann weiter gehen. Na, zunächst Mal den Tag ruhig gestartet, ein paar Wetterberichte runtergeladen und dann gemütlich zur nächsten Insel in eine schöne grosse rundum geschützte Buch gesegelt.

volle Buchten bei Nidri auf Lefkas
volle Buchten bei Nidri auf Lefkas

Da hat uns schon fast der Schlag getroffen wie viele Schiffe hier gleichzeitig unterwegs und vor Anker sind. Alles voll. Aber doch gab es im Ankerfeld noch ein nettes Plätzchen mit viel Abstand zu den anderen und beim 2. Mal probieren hat unser Anker auch ordentlich gegriffen. Leider hat sich dann noch ein Engländer etwas nahe neben uns gesetzt, wir haben es ihm noch gesagt, aber er meinte nur “it will be alright” und ist mit Schlauchboot und Frau zum Znacht in die Taverna abgedüst.

Sushi Nummer 2
Sushi Nummer 2

Auch wir haben unseren Fang wiederum als Sushi genossen und uns aufgrund der immer näher kommenden Blitze und des immer finsterer werdenden Himmels schon mal auf eine unruhige Nacht eingestellt.

Und dann sahen wir eine “schwarze Wand” vom Berg herunter auf uns zu rollen und wir gerade noch rein in die Regenklamotten und den Motor an. Was dann innerhalb der nächsten 2 Stunden über uns hereinbrach, konnten wir uns vorher nicht vorstellen. Zunächst hielt unser Anker gut, während viele um uns herum (auch besagter Engländer) anfingen auf Drift zu gehen, das heisst die Boote bewegten sich teils völlig unbemannt in die Richtung in die Wind und Wellen sie trieben. Da war eines, das trieb fröhlich auf unseren Nachbarn zu (jetzt war ich wieder froh dass er sich neben uns gequetscht hatte) und als er ihn fast berührte kam erst mal jemand an Bord, um was zu unternehmen. Dann hatten die beiden irgendein Problem mit ihren Ankerketten und während wir weiterhin einfach nur so mit dem Wind kämpfen und versuchen uns von den umiegenden Schiffen frei zu halten, da rumpst es auf einmal bei uns a Heck und wir stellen fest, dass wir gerade am Ufer aufgeschlagen waren. Also auch Anker ausgerissen. Bei ca 1 m hohen Wellengang die Ankerkette reinzunehmen war dann der eine Akt, aber anschliessend zwischen den anderen in der Bucht gegen den Wind zu fahren bis wir uns wieder getraut haben, den Anker zu werfen, ein anderer…

Schlussendlich nach 2 Stunden Kampf waren wir um Mitternacht wieder so weit fest, dass ich versucht habe zu schlafen und Reto Ankerwache hielt, um im Notfall wieder einzugreifen. Ich muss gestehen, erst um 5.30 habe ich ihn abgelöst, so dass er auch eine kurze ruhige Mütze Schlaf bekommen konnte. Ach ja, zum Schaden am Heck, wir konnten es im trüben Wasser noch nicht besser prüfen, aber wahrscheinlich hatten wir wirklich super Glück und sind nur mit dem Heck genau auf einen Kai aufgeschlagen, ohne weitere Schäden an Ruder oder Propeller zu nehmen. Ob unser Anker nun alleine ausriss oder von den beiden Nachbarn ausgerissen wurde, wissen wir nicht, aber in Zukunft werden wir selbst “umparkieren” wenn uns einer zu nahe kommt.

Lefkas Hafenpromenade - gegenüber die Sunsail Flotte
Lefkas Hafenpromenade – gegenüber die Sunsail Flotte

Etwas geprügelt sind wir dann am Montag vormittag hoch in die Lefkas Marina und waren erst mal froh, die nächsten Böen und Gewitterwolken im sicheren Hafen verbringen zu dürfen. Das traf sich eigentlich sehr gut, denn erste Priorität hat nun mal die Reparatur der beiden Kühlwassersysteme. Der Yanmar-Händler hat viel und der Rest ist am nächsten Tag aus Athen da, super, also los geht es.

Wärmetauscher vor der Reinigung
Wärmetauscher vor der Reinigung

Die beiden Wärmetauscher wurden geputzt (waren weniger dreckig als wir befürchtet hatten, aber der Durchsatz vom Seewasser ist deutlich besser), die Thermostate ersetzt (die ihre Funktion schon völlig verloren hatten) und

Frischwasserpumpe neu und alt
Frischwasserpumpe neu und alt
Heineken trifft sich in der Bar
Heineken trifft sich in der Bar

die Frischwasserpumpe auf der einen Seite ersetzt, dort wo sie sichtbar leck war. Und das alles natürlich unterstützt von einer wunderbaren Ursachenanalyse 5x Warum (so wie wir das ja nun jahrelang gepredigt haben 😉 )

Ja, und da sind wir nun heute immer noch nach bereits 4 Nächten. Der Plan (hihi) wäre gewesen, heute weiter Richtung Norden. Heute aber hat es den ganzen Vormittag ein Gewitter nach dem anderen auf uns zu geschoben, also Beschluss “noch eine Nacht”. Gerade als wir im Marinabüro den doch relativ teuren Liegeplatz für eine weitere nacht bezahlt haben, klärt sich der Himmel, die Sonne strahlt und Reto fragt mich, warum ich auf einmal stinkig bin. Na, zum Glück nicht lange, denn die nächste Front kommt gleich hinterher und schon bald bin ich froh, nicht da draussen sein zu müssen 😉

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2 Gedanken zu „Vom Kanal von Korinth bis ins ionische Meer“

  1. Hallo Angie und Reto,
    Jedes mal wenn wir eines eurer Abenteurer lesen weckt es unsere Reiseerinnerungen und wir erleben die Stürme und Pannen mit euch. Eines ist sicher „never a dull moment“ passt wie die Faust aufs Auge. Entweder mann fühlt sich wie im Paradies oder …
    Nebenbei reisen wir mit euch durch Gegenden die wir manchmal auch schon ein bisschen besegelt haben. Aber meistens entdecken wir neue Orte.
    Was für eine schöne Idee euer Blog 🙂
    LG und viel Glück für alle weiteren Abenteuer
    PS: ein kleines Abenteuer auf unserer Seite: wir werden in einer Woche Heiraten 🙂 gefolgt von 2 Wochen Urlaub mit unserem Azalai in Italien.
    Sylke und Michel

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